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MÄRKTE USA/Russland-Sanktionen verdrängen US-Verbrauchervertrauen

29.07.2014, 17:31 Uhr

Von Thomas Rossmann

Neue Sanktionen der EU gegen Russland machen der Wall Street am Dienstag einen Strich durch die Rechnung. Denn zunächst hatten ein deutlicher Anstieg des US-Verbrauchervertrauens und überwiegend besser als erwartet ausgefallene Unternehmensergebnisse die Aktienkurse nach oben geschoben. Der Dow-Jones-Index kletterte zwischenzeitlich wieder über die Marke von 17.000 Punkten und auch der S&P-500 war nur noch knapp von einem neuen Allzeithoch entfernt.

Doch dies alles ist mit umfassenden Wirtschaftssanktionen der EU-Staaten gegen Russland nun Makulatur. Angesichts der anhaltenden Gewalt in der Ukraine haben sich die EU-Staaten auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt. Betroffen seien Finanzdienstleistungen, Rüstungsexporte und -importe, Ausfuhren von Gütern, die neben einem zivilen auch einen militärischen Nutzen haben können, sowie Exporte von "sensiblen Technologien mit Fokus auf den Erdölbereich", teilten EU-Diplomaten mit. Damit werden erstmals ganze Bereiche der russischen Wirtschaft getroffen.

Der Dow-Jones-Index notiert nahezu unverändert bei 16.989 Punkten. Zuvor hatte er im Tageshoch schon bei 17.056 Punkten gelegen. Für den S&P-500 geht es um 0,1 Prozent auf 1.978 Punkte nach unten. Der Nasdaq-Composite steigt dagegen um 0,2 Prozent.

Der Index des Verbrauchervertrauens ist derweil auf 90,9 und damit den höchsten Stand seit Oktober 2007 geklettert. Und auch der Vormonatswert wurde noch einmal nach oben korrigiert. Angesichts der Bedeutung des Konsums für den US-BIP reagierte der Markt mit Erleichterung auf die Daten. Die Häuserpreise in den USA haben indes im Mai weiter deutlich zugelegt, wenngleich nicht mehr in dem Tempo wie in den Vormonaten.

Doch die mutmaßlich wichtigsten Ereignisse stehen erst noch im weiteren Wochenverlauf an: Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli und das Treffen der US-Notenbank. Dies könnte dazu führen, dass Anleger bis dahin eher an der Seitenlinie bleiben. Denn niemand wolle auf dem falschen Fuß erwischt werden, heißt es im Handel.

Etwas besser als erwartet sind die Zweitquartalszahlen der Pharma-Konzerne Merck und Pfizer ausgefallen. Die Aktien ziehen um 1,5 bzw. 0,3 Prozent an. Dazu hat Merck den Gewinnausblick 2014 bereinigt um Sonderposten angehoben. CEO Ken Frazier begründet dies sowohl mit Kostensenkungen als auch mit den bis Jahresende anstehenden Markteinführungen neuer Medikamente.

Pfizer hat derweil seinen Gewinnausblick 2014 bestätigt, wobei darin nun auch die erwarteten Umsatz- und Gewinnbeiträge von Celebrex enthalten sind, für die im Dezember der Patentschutz ausläuft. Daher fiel der Umsatzausblick 500 Millionen Dollar niedriger aus.

Wie bereits der größere Konkurrent United Health hat nun auch Aetna starke Zweitquartalszahlen vorgelegt. So gewann der Versicherer 385.000 neue Kunden hinzu, während der Kostentrend moderat verlief. Aetna profitiert von der Coventry-Übernahme und hat einen Gewinnschub durch die Fusion angekündigt angesichts beschleunigter Kosteneinsparungen. Neben der Gewinnschätzung wurde auch die Prognose für das Kundenwachstum angehoben. Nach einer Rally von 34 Prozent auf Jahressicht nehmen Investoren allerdings Gewinne mit. Es geht um 2,8 Prozent nach unten.

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Schwächer als erwartete Ergebniskennziffern belasten dagegen die UPS-Titel, die um 3,3 Prozent nachgeben. Nicht nur hat der Logistiker die Erwartungen an den Gewinn nicht ganz erreicht. Auch hat UPS vor steigenden operativen Kosten im laufenden Jahr gewarnt.

Für die Aktie von Herbalife kommt es ganz dick. Nachdem der Hersteller von Diätprodukten und Kosmetika die Gewinnerwartungen verfehlt hat, geht es 11,6 Prozent abwärts. Zuvor hatte Herbalife 21 Quartale in Folge die Prognosen der Analysten übertroffen. Nach den Kursexplosionen um 60 Prozent am ersten Handelstag und weiteren 43 Prozent am Vortag drücken auch bei El Pollo Loco Gewinnmitnahmen. Die Papiere der Schnellimbisskette verlieren 10 Prozent.

Am Devisenmarkt wertet der Dollar mit Beginn der zweitägigen Sitzung der US-Notenbank auf ein weiteres Jahreshoch zum Euro auf. Der Euro fällt auf 1,3412 Dollar nach Wechselkursen um 1,3446 Dollar im Tageshoch. Ein Analyst macht charttechnische Gründe aus. Nach der sehr engen Handelsspanne der vergangenen Tage sei nun ein Ausbruch nach unten erfolgt.

Im Vorfeld der Emission fünfjähriger US-Schuldtitel im Umfang von 35 Milliarden Dollar sinkt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um zwei Basispunkte auf 2,47 Prozent. Im Rentenhandel wird auf die anhaltenden geopolitischen Krisenherde verwiesen.

Diese steigern zunächst auch die Attraktivität der "Fluchtwährung" Gold, der Preis für die Feinunze fällt allerdings mit dem steigenden Dollar auf 1.300 Dollar nach einem Tageshoch von 1.312 Dollar zurück.

Erstaunlich unbeeindruckt von den kriegerischen Auseinandersetzungen zeigt sich der Ölpreis. Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI ermäßigt sich auf 101,16 Dollar nach 101,67 Dollar zu Wochenbeginn. Händler sprechen zur Begründung von Wachstumssorgen angesichts der sich verschärfenden Sanktionen gegen Russland.

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INDEX zuletzt +/- % absolut
DJIA 16.988,79 0,04 6,20
S&P-500 1.977,93 -0,05 -0,98
Nasdaq-Comp. 4.453,89 0,20 8,98
Nasdaq-100 3.968,36 0,03 1,11

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8.32 Uhr Mo, 18.01 Uhr
EUR/USD 1,3412 -0,16% 1,3434 1,3440
EUR/JPY 136,93 -0,04% 136,99 136,85
EUR/CHF 1,2160 0,07% 1,2151 1,2145
USD/JPY 102,09 0,11% 101,98 101,84
GBP/USD 1,6944 -0,19% 1,6976 1,6992
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Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@wsj.com

DJG/DJN/ros/flf

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July 29, 2014 11:31 ET (15:31 GMT)

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