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BASF-Rivale DuPont hat weniger Interesse an Deutschland

27.11.2014, 10:20 Uhr

Von Heide Oberhauser-Aslan

Der US-Chemieriese DuPont erfand einst die Kunstfaser Nylon. Seit ein paar Jahren erfindet sich der BASF-Konkurrent neu und setzt zunehmend auf die Nahrungsmittelindustrie. Der globale Konzernumbau und der Zwang zum Sparen werden Folgen für das deutsche Geschäft haben. Bei der Wahl neuer Produktionsstandorte werden Asien und die USA die Nase vorne haben. "Deutschland ist im Moment nicht im Fokus für Neuinvestitionen in Form von neuen Fabriken oder Werken", sagte Deutschland-Geschäftsführer Christian Beers im Gespräch mit Dow Jones.

Denn DuPont investiere heute tendenziell eher in Asien oder den USA, um näher an den Wachstumsmärkten zu sein und von den dort deutlich niedrigeren Energiekosten zu profitieren. So baut DuPont derzeit etwa im US-Bundesstaat Nevada eine Bioraffinerie, um Zellulose-Ethanol zu produzieren, einen der Biokraftstoffe der Zukunft. In Singapur wurde in diesem Jahr eine neue Produktionsstätte für Pflanzenschutzmittel und Materialien für den Digitaldruck eröffnet. "Investitionen in Deutschland sind die Ausnahme, in der Regel geht es hier um Optimierung und Produktivitätssteigerung", sagte Beers.

Industrielenker und Wirtschaftsverbände kritisieren seit langem die politischen Rahmenbedingungen, die Deutschland aus ihrer Sicht weniger wettbewerbsfähig machen. Die energieintensive Chemieindustrie gehört zu den schärfsten Kritikern der deutschen Wirtschaftspolitik. Im Fokus der Kritik stehen dabei vor allem die hohen Energiekosten und die Schwierigkeiten, neue Technologien wie Fracking einzusetzen. "Deutschland braucht bezahlbare Energie und bessere Ideen, um dauerhaft erfolgreich zu sein", hatte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley erst vor zwei Monaten angemahnt. Ein Blick über den Atlantik zeige, wie man mit günstigen Energiepreisen an Wettbewerbsfähigkeit gewinne, sagte Kley in seiner Eigenschaft als Präsident des Branchenverbandes VCI.

Nicht nur die Chemie übt lautstarke Kritik. Ulrich Grillo, Präsident des einflussreichen Industrieverbandes BDI, kritisierte erst am Dienstag die geplante Abschaltung von Kohlekraftwerken. Die Industrie befürchtet noch höhere Strompreise, wenn das Angebot an billigem Kohlestrom knapper wird. "Das stärkt nicht die Wettbewerbsfähigkeit", beklagte Grillo.

Auch wir haben Bedenken, dass Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen könnte", sagte Beers. Seinen wirtschaftlichen Erfolg habe Deutschland dem Umstand zu verdanken, dass es bislang gelungen sei, Produktion im Land zu halten und damit eine hohe Beschäftigung zu sichern. "Wenn wir das verlieren, werden wir auf Dauer auch diesen Wohlstand nicht mehr halten können", sagte er. Deutschland sei Exportweltmeister und müsse es auch bleiben - das sei vor allem eine Herausforderung, der sich auch die Politik stellen müsse.

In Deutschland ist DuPont seit mehr als einem halben Jahrhundert aktiv. Die Zahl der Mitarbeiter hat im Zuge des beständigen Konzernumbaus allerdings stark abgenommen. Derzeit beschäftigt der US-Konzern noch 1.200 Mitarbeiter an mehreren Standorten. Deutschland ist aber weniger als Produktionsstandort wichtig, sondern vielmehr als Absatzmarkt. Der Konzern erlöst hier etwa 1,5 Milliarden Dollar im Jahr. Nach den USA, China und Brasilien rangiert Deutschland damit auf Rang vier in der Welt.

Doch die Bedeutung von Deutschland wird weiter schrumpfen. DuPont will international vor allem im Lebensmittelgeschäft wachsen - in Deutschland ist aber die Automobilindustrie der größte Kunde der Amerikaner. "Deutschland wird daher beim weiteren Umbau des Unternehmens wahrscheinlich an Wichtigkeit verlieren", sagte Beers. Wenn DuPont mehr und mehr im Ernährungsbereich wächst, werde Deutschland irgendwann nur noch der fünft- oder sechstgrößte Absatzmarkt für DuPont sein, erklärte der Manager.

Das größte der vier deutschen Werke von DuPont ist in Hamm Uentrop, wo vor allem technische Kunststoffe für die Automobilindustrie gefertigt werden. Das Geschäft hat für Beers Zukunft. "Selbst wenn weniger Fahrzeuge produziert werden sollten, werden wir in jedem Fahrzeug, das neu auf den Markt kommt, einen höheren Kunststoffanteil sehen als im Vorgängermodell", sagte er. Die hohen CO2-Vorgaben könnten nur erreicht werden, wenn das Gewicht der Fahrzeuge weiter reduziert würde. "Das ist ein gutes Potenzial für uns", sagte Beers.

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Doch das Geschäft mit der Autoindustrie ist schon deutlich kleiner geworden, seit DuPont vor zwei Jahren seine Autolacksparte für 4,9 Milliarden Dollar an die US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle verkaufte. "Wir haben zwei Drittel unserer Mitarbeiter in Deutschland verloren, als wir den Bereich Autolacke verkauft haben", sagte Beers.

Künftig will der Konzern aus dem US-Bundesstaat Delaware verstärkt Saatgut, Pflanzenschutzmittel und spezielle Lebensmittelzutaten liefern. Den Grundstein für die Neuausrichtung hat der BASF-Rivale bereits 1999 mit dem Kauf des US-Saatgutherstellers Pioneer für 7,7 Milliarden Dollar gelegt, weitere Zukäufe kamen hinzu. Mit der Lebensmittelindustrie erzielt DuPont derzeit etwa ein Drittel seiner Konzernerlöse, bald will man jeden zweiten Dollar dort verdienen: Im Juli 2015 soll der Produktbereich Performance Chemicals abgetrennt und als eigenständiges Unternehmen an die Börse geführt werden. DuPont trennt sich damit auch von dem Geschäft mit der Traditionsmarke "Teflon".

Unmittelbar ist Deutschland davon nur marginal betroffen: Durch die Trennung gehen in Deutschland nur etwa 25 Jobs verloren, weil die Sparte hierzulande keine Produktionsstätte hat.

Auf den Prüfstand sollen nach der Schrumpfung aber auch die weltweiten Verwaltungsstrukturen kommen. DuPont hatte einmal 140.000 Mitarbeiter, heute sind es weniger als die Hälfte. Nach der Abspaltung von Performance Chemicals wird sich die Zahl der Beschäftigten auf etwa 55.000 weiter reduzieren. "Dann müssen wir auch eine Organisationsform finden, die einem Unternehmen in dieser Größe entspricht", sagte Beers. Auch diese weltweiten Maßnahmen werden Deutschland treffen.

In Europa und Deutschland zwingt zudem auch die schwache Konjunktur den Konzern zum Sparen. Mit großen Wachstumssprüngen rechnet Beers in Deutschland nicht mehr. "Wir müssen uns daher so positionieren, dass wir auch ohne Wachstum unsere Ergebnisse abliefern können", sagte er. Einen weiteren Verlust von Arbeitsplätzen wollte der Manager daher nicht ausschließen. Am Standort von Pioneer in Buxtehude bei Hamburg hat DuPont inzwischen schon entschieden, die Endaufbereitung und Verpackung von Saatgut einzustellen: Jeder vierte der 120 Arbeitsplätze wird wegfallen.

Kontakt zum Autor: Heide.oberhauser@wsj.com

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