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MÄRKTE EUROPA/US-Konjunktur beschert Aktien rabenschwarzen Tag

15.10.2014, 18:16 Uhr

Von Benjamin Krieger

Durchweg enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA haben den DAX am Mittwochnachmittag auf den niedrigsten Stand seit zwölf Monaten gedrückt. Der Index büßte 2,9 Prozent auf 8.572 Punkte ein. Es war der größte Tagesverlust des DAX seit Anfang März. Der Euro-Stoxx-50 verlor 3,6 Prozent auf 2.893 Punkte. Damit erwies sich die Erholung der Aktienmärkte vom Vortag als Strohfeuer. Kaum ein Blue-Chip konnte sich dem starken Abwärtstrend entziehen. Verkauft wurden vor allem konjunktursensible Papiere und die als risikoreich geltenden Finanzwerte.

In den USA sind die Umsätze im Einzelhandel im September stärker zurückgegangen als erwartet. "Der Aufwärtstrend bei den US-Einzelhandelsumsätzen wurde im September gestoppt. Erstmals seit Januar waren die Umsätze (...) rückläufig", sagte Thilo Heidrich von der Postbank. Vor allem bei Bekleidung und Baumaterialien seien die Umsätze im Einzelhandel stark gesunken.

Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise im September überraschend gesunken. Ein viel beachteter Frühindikator für die Wirtschaftsaktivität im Raum New York ist im Oktober regelrecht eingebrochen. Damit mehren sich die Hinweise, dass die Konjunktur auch in den USA schwächelt und diese Schwäche auch Spuren bei den Preisen hinterlässt.

Das sorgte für Turbulenzen an den Märkten. Am Bondmarkt wurden Staatsanleihen als sichere Häfen in Krisenzeiten gekauft. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die sich umgekehrt zum Kurs verhält, rutschte auf bis zu 0,724 Prozent ab. Bundespapiere mit vier Jahren Laufzeit rentierten erstmals negativ. An der Wall Street fiel der Zins zehnjähriger Treasurys vorübergehend unter 2 Prozent.

An den Devisenmärkten geriet der US-Dollar stark unter Druck. Der Euro wertete zum Dollar in der Spitze bis zu 1,2887 auf, gab anschließend einen Teil der Gewinne aber wieder ab. Kurz vor Veröffentlichung der Konjunkturzahlen handelte der Euro noch 2 US-Cent niedriger. Auch zum Yen und zum Pfund Sterling verlor der Dollar an Boden.

Das waren die ersten Risikodaten aus den USA nach dem Arbeitsmarktbericht vom Monatsanfang. Die Dollar-Bullen dürften auf weitere Hinweise gehofft haben, dass die Erholung der US-Wirtschaft voranschreitet", sagte Jameel Ahmad vom Devisen-Broker FXTM. Stattdessen aber hätten die Ausgaben der US-Verbraucher, die den größten Beitrag zum US-Wachstum leisten, ihr Potenzial nicht ausgeschöpft. Das habe Gewinnmitnahmen im Dollar ausgelöst.

An den Aktienmärkten verdüsterten hohe Kursverluste im europäischen Pharmasektor die Lage zusätzlich. Denn eine 54 Milliarden Dollar schwere Übernahme des britischen Pharmaunternehmens Shire durch den US-Konkurrenten AbbVie droht zu scheitern. Shire-Aktien brachen in London um 22 Prozent ein und zogen den gesamten, ohnehin seit Wochen von Übernahme- und Fusionsgerüchten getriebenen Pharmasektor um 3,9 Prozent mit nach unten.

Grund für die Bedenken bei AbbVie sind neue US-Gesetze, die die im Juli beschlossene Transaktion weniger attraktiv machen. Die Ankündigung von AbbVie ist das bislang deutlichste Anzeichen dafür, dass die neuen Finanzmarktregeln tatsächlich den gewünschten Effekt haben. Sie sollen US-Konzerne entmutigen, ihren Firmensitz aus steuerlichen Gründen ins Ausland zu verlegen.

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Als Übernahme-Objekt des US-Pharmakonzerns Pfizer wurde an den Börsen immer wieder die britische Astrazeneca gehandelt. Deren Kurs verlor 3,2 Prozent und Sanofi verbilligten sich um 4,2 Prozent.

Der Sektor Öl und Gas verlor 3,4 Prozent. Die am Vortag gesenkten Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA für die Ölnachfrage lasten schwer auf dem Ölpreis. Ein Fass der Nordseesorte Brent fiel vorübergehend unter 84 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren, erholt sich am Nachmittag aber etwas. "Solange die Opec keine Anstalten macht, dem drohenden massiven Überangebot mit einer Produktionskürzung zu begegnen, dürften die Preise weiter fallen", sagte Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Der sinkende Ölpreis konnte die Aktien der großen europäischen Airlines nicht stützen. Die Kursverluste reichten von moderaten 1,3 Prozent bei Lufthansa über 3,4 Prozent für International Consolidated Airlines und 3,6 Prozent für Air France-KLM. "Wenn der starke Ölpreisrückgang als Zeichen einer weltweiten konjunkturellen Nachfrageschwäche gedeutet wird, dann ist das klar negativ für die Flugbranche", sagte ein Händler. Denn eine schwache Konjunktur schlage bei der Auslastung und somit bei den Renditen viel stärker durch, als ein rückläufiger Kerosinpreis auf der Kostenseite für Entlastung sorge. Ein Streik bei der Tochter Germanwings ließ dagegen den Kurs der Lufthansa kalt.

Von der beginnenden Saison der Quartalsberichte gab es nach der positiven Überraschung von Daimler am Vortag weitere gute Nachrichten. So sind Umsatzzahlen von Danone und vom Luxuskonzern LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton gut ausgefallen. Beide Aktien mussten allerdings dem schwachen Umfeld Tribut zollen und schlossen etwas leichter. Die Quartalszahlen von Intel vom Vorabend fielen als Kursstütze für den europäischen Technologiesektor aus. Dieser verlor 3,6 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt stiegen Aktien von ProSiebenSat.1 Media um 1,1 Prozent. Die Senderkette erfüllt - dank einer günstigen Entwicklung im dritten Quartal vor allem im Digitalgeschäft - schon in diesem Jahr die ursprünglich erst für 2015 angestrebten Ziele.

Aktien von Rio Tinto gaben um 2,8 Prozent nach. Die Produktion von Kohle zur Verhüttung von Eisen ist im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gesunken.

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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 2.892,55 -108,44 -3,6% -7,0%
Stoxx-50 2.796,90 -88,78 -3,1% -4,2%
Stoxx-600 311,36 -10,17 -3,2% -5,1%
XETRA-DAX 8.571,95 -253,26 -2,9% -10,3%
FTSE-100 London 6.211,64 -181,04 -2,8% -8,0%
CAC-40 Paris 3.939,72 -148,53 -3,6% -8,3%
AEX Amsterdam 379,69 -13,61 -3,5% -5,5%
ATHEX-20 Athen 289,61 -19,54 -6,3% -24,7%
BEL-20 Bruessel 2.915,58 -99,79 -3,3% -0,3%
BUX Budapest 17.503,48 -174,38 -1,0% -5,7%
OMXH-25 Helsinki 2.686,47 -85,89 -3,1% -5,2%
ISE NAT. 30 Istanbul 91.439,94 +201,68 +0,2% +10,9%
OMXC-20 Kopenhagen 687,45 -15,99 -2,3% +11,7%
PSI 20 Lissabon 5.248,21 -168,64 -3,2% -22,6%
IBEX-35 Madrid 9.838,50 -366,40 -3,6% -0,8%
FTSE-MIB Mailand 18.304,99 -850,86 -4,4% -3,5%
RTS Moskau 1.067,05 -8,40 -0,8% -26,0%
OBX Oslo 500,42 -10,07 -2,0% -0,6%
PX Prag 923,59 -15,90 -1,7% -6,6%
OMXS-30 Stockholm 1.269,91 -37,95 -2,9% -4,7%
WIG-20 Warschau 2.381,76 -21,14 -0,9% -0,8%
ATX Wien 2.039,29 -56,64 -2,7% -19,9%
SMI Zuerich 8.144,88 -193,13 -2,3% -0,7%

DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8.28 Di, 17.35 Uhr
EUR/USD 1,2787 1,12% 1,2645 1,2663
EUR/JPY 135,49 -0,19% 135,75 135,61
EUR/CHF 1,2068 -0,06% 1,2075 1,2074
USD/JPY 105,98 -1,28% 107,36 107,09
GBP/USD 1,5954 0,29% 1,5908 1,5928
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Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@wsj.com

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October 15, 2014 12:16 ET (16:16 GMT)

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