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Bayer nimmt neuen Anlauf für Trennung von Blutzuckermessgeräten

25.11.2014, 12:42 Uhr

Von Heide Oberhauser-Aslan

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer macht laut Presseberichten offenbar einen neuen Versuch, sich vom Geschäft mit Blutzuckermessgeräten zu trennen. Vor zwei Jahren waren die Leverkusener bei dem Vorhaben schon einmal gescheitert, weil die Preisvorstellungen der Interessenten und Bayer zu weit auseinanderlagen.

Während die potenziellen Bieter damals aus der Branche kamen, werden dieses Mal allerdings Private-Equity-Unternehmen wie Cinven, EQT Partners und Triton Advisers genannt. Vor zwei Jahren waren unter anderem der Pharmakonzern Sanofi, der japanische Elektronikkonzern Panasonic sowie die amerikanischen Unternehmen Johnson & Johnson und Abbott als Interessenten gehandelt worden.

Dafür dass Bayer den Bereich gerne loswerden würde gibt es gute Gründe. Der Markt für Blutzuckermessgeräte ist anhaltend schwierig. Preisrückgänge und Erstattungsdruck belasten laut Bayer das Geschäft vor allem in den USA. "Das ist nicht der grandiose Wachstumsmarkt der Zukunft, so wie sich das momentan darstellt", sagte LBBW-Analyst Ulle Wörner.

Wie viel Umsatz Bayer mit der Division Diabetes Care erlöst, die das Geschäft umfasst, weist der Konzern nicht aus. Analysten schätzen die Erlöse auf knapp eine Milliarde Euro. Das mit Abstand größte Produkt, die Blutzuckermesssysteme der Produktlinie "Contour", erlöste im vergangenen Jahr laut Bayer 722 Millionen Euro.

Auch strategisch passt der mögliche Verkauf des Bereichs ins Bild. Bayer habe sich in den letzten Jahren stärker auf das Arzneimittelgeschäft fokussiert, verfüge jetzt über eine gute Pipeline und habe auch gute Produkte am Markt, erklärte Wörner: "Das will der Konzern jetzt gerne ausbauen." Insofern mache es Sinn, das Wachstum durch den Verkauf von strategisch weniger wichtigen Produkten zu finanzieren.

Ähnlich äußerte sich auch Analyst Ulrich Huwald von Warburg Research: "Das ist Teil der laufenden Portfolio-Adjustierung und der Refinanzierung des Kaufs der OTC-Sparte von Merck & Co", sagte er. Bayer hat das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten (OTC) des US-Konzerns in diesem Jahr für rund 14 Milliarden US-Dollar erworben und ist damit dem Ziel näher gerückt, weltweit die Nummer Eins in dem Bereich zu werden.

Die große Frage sei allerdings, ob sich jemand finde, der einen halbwegs angemessenen Preis für das Geschäft mit Blutzuckermessgeräten zu zahlen bereit sei, meinte LBBW-Analyst Wörner. Im Gespräch soll jetzt ein Verkaufserlös von bis zu zwei Milliarden Euro sein.

Ein solcher Preis ist für Wörner bei einem geschätzten Umsatz von einer Milliarde allerdings kein gutes Geschäft. "Wenn man sich die Multiples im Healthcare-Bereich anschaut, dann ist ein Umsatz-Multiple von zwei, was als oberes Ende genannt wird, gar nichts", sagte er. So habe Bayer zuletzt etwa für den Verkauf von Produkten für die Behandlung von Gefäßerkrankungen an den amerikanischen Medizintechnik-Konzern Boston Syntific das 3,5-Fache des Umsatzes erhalten. Da der Markt aber so schwierig ist, dürfte es seiner Einschätzung nach nicht allzu viele Interessenten geben, die Willens seien, dafür viel Geld auszugeben.

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Daniel Wendorff von der Commerzbank hält den möglichen Verkaufspreis zwischen ein und zwei Milliarden Euro dagegen für angemessen. "Das sieht auf den ersten Blick vernünftig aus", meinte er.

Mitarbeit: Michael Denzin

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@wsj.com

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November 25, 2014 06:42 ET (11:42 GMT)

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