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MÄRKTE EUROPA/Deutschland rettet Europa - DAX greift 9.000er Marke an

23.10.2014, 11:04 Uhr

Von Michael Denzin

Ein kompletter Stimmungsumschwung binnen einer Stunde treibt Europas Börsen am Donnerstag nach oben. Der DAX überspringt zeitweise sogar die 9.000-Punktemarke. Wie vom Handel erhofft, erweisen sich die Einkaufsmanagerindizes als echte Kurstreiber. Nach zunächst enttäuschenden Daten aus Frankreich hatte der Markt das Schlimmste befürchtet und der DAX war rund 1 Prozent ins Minus gerutscht. Wesentlich besser als erwartet ausgefallene Daten aus Deutschland zwingen die Aktienindizes nun in die Gegenrichtung. Der DAX steigt danach um 0,5 Prozent auf 8.985 Punkte, der Euro-Stoxx-50 um 0,4 Prozent auf 3.021 Zähler.

Nach den vielen Stimmungsindikatoren handelt es sich jetzt endlich um die ersten ernstzunehmenden Daten aus der Realwirtschaft", sagt ein Händler. Der Markt habe auf Indikationen gewartet, wie das vierte Quartal in der Wirtschaft angelaufen ist. "Mittlerweile merkt der Markt, dass der Kurseinbruch in Folge der deutschen Industrieproduktion übertrieben war, weil sie durch Ferieneffekte verzerrt war", so ein anderer Händler. Auch der ifo-Index kommende Woche dürfte daher besser als befürchtet ausfallen: "Die meisten Euro-Ausländer hatten auf eine bevorstehende Rezession und damit fallende Kurse gesetzt". Heftige Eindeckungskäufe vor allem aus den USA könnten nun folgen.

Kurstreiber ist der deutsche Einkaufsmanagerindex. Er sprang auf 51,8 und damit über die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Analysten hatten dagegen mit einem Rückfall von zuvor 49,9 auf 49,5 gerechnet. Der Sprung über die Expansionsmarke hat den Markt wie erwartet auf dem falschen Fuß erwischt. Auch der europaweite Einkaufsmanagerindex steigt auf 52,2 und deutet damit auf Wachstum in der Eurozone hin. Der Euro entfernt sich damit wieder von der 1,26er-Marke zum Dollar und notiert bei 1,2661 Dollar. Als Zugabe überzeugte auch in China der HSBC-Einkaufsmanagerindex.

Weiter abwärts geht es nur beim Rohölpreis: In den letzten 24 Stunden ist Nordseeöl der Sorte Brent um rund 2 Dollar je Barrel auf 84,58 gesunken. Die Aktien der Energiekonzerne stellen daher mit 0,9 Prozent Minus die Hauptverlierer nach den Automobilwerten in Europa.

Die Unternehmenszahlen sehen zudem überwiegend positiv aus und liefern daher kaum Störfeuer für den Aktienmarkt. Gut da steht unter anderem die Credit Suisse: Sie hat im dritten Quartal deutlich mehr verdient und die Markterwartungen übertroffen. Der Gewinn von 1,025 Milliarden Franken liegt deutlich über der Analystenprognose von 859 Millionen Franken. Im Investmentbanking läuft es rund. Die Aktien legen um 0,4 Prozent zu.

Besonders positiv überrascht haben die Geschäftszahlen von Orange. Die Titel der ehemaligen France Telecom springen um 2,8 Prozent. Für Netzwerkausrüster Nokia geht es sogar 5,3 Prozent nach oben. Nicht nur die Geschäftszahlen fielen gut aus, auch die Prognose wurde erhöht.

Lange Gesichter dagegen im Automobilsektor: Nach einer Umsatzwarnung von Michelin stellte der Sektor mit fast 2 Prozent Minus zeitweise den Hauptverlierer in Europa. Dank der Einkaufsmanagerdaten notieren die Branchenwerte als konjunkturzyklische Titel wieder unverändert. Michelin sieht wegen der schwachen Nachfrage in Europa für das laufende Jahr nur ein Absatzplus von 1 bis 2 Prozent. Zuvor war man von 3 Prozent Wachstum ausgegangen. Nach den guten Geschäftszahlen des Zulieferers Valeo am Vortag hatte dies Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Die Aktie verliert in Paris 4,8 Prozent. Continental im DAX können ihr Minus aber mit dem Markt auf 0,2 Prozent reduzieren.

Bei Daimler treffen die Quartalszahlen auf Wohlgefallen. Umsatz und Gewinn der Stuttgarter übertreffen die Erwartungen, die Aktie steigt 0,2 Prozent. Im MDAX hat Maschinenbauer Krones besser als erwartet ausgefallene Geschäftszahlen vorgelegt und sorgt mit einer bestätigten Jahresprognose für Zuversicht. Hier geht es 1,8 Prozent nach oben. ThyssenKrupp legen als klassische Konjunkturaktie 2,1 Prozent zu.

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Henkel fallen 0,4 Prozent und leiden unter Unilever-Geschäftszahlen: Das Umsatzwachstum des Produzenten von Haushaltsgütern liegt unter Erwartung. Shore Capital sieht Unilever vor einer schwierigen Zukunft sowohl in den entwickelten Märkten wie auch den Schwellenländern. Analyst Darren Shirley rechnet mit einer anhaltenden Schwäche der Unilever-Aktie, die aktuell 2,4 Prozent fällt.

Unaufhaltsam abwärts geht es auch mit dem britischen Einzelhändler Tesco. Die Aktien brechen erneut um 4,8 Prozent ein. Hier dominiert die Sorge, wie sich die Aufräumarbeiten in der Bilanz nach den aufgehübschten Gewinnprognosen auswirken. Die Gewinnprognose für das erste Halbjahr sei um rund 260 Millionen Pfund Sterling zu hoch angesetzt gewesen, hat nach Unternehmensangaben eine Ermittlung aufgedeckt. Tesco-Chairman Richard Broadbent nimmt darauf seinen Hut.

Die Umsatzwarnung von AT&T in den USA wird dagegen entspannter gesehen. "AT&T leidet unter der Konkurrenz von T-Mobile US, daher sollte gerade das die Deutsche Telekom nicht belasten", sagt ein Händler. Die T-Aktie notiert nur 0,3 Prozent tiefer.

Gute Geschäfte in der Luftfahrt treiben MTU um 1,9 Prozent. Der Triebwerkswarter hat seine Jahresprognose erhöht. Ähnlich sieht es bei der Aareal Bank aus, deren Aktien 2,4 Prozent zulegen. Der Immobilienfinanzierer denkt erneut über die Anhebung seiner Geschäftsprognosen nach. "Operativ entwickelte sich das Geschäft besser als gedacht", sagte Finanzchef Hermann Josef Merkens dem Handelsblatt.

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