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Deutsche Bank soll in USA genauer überwacht werden - Kreise

29.07.2014, 20:10 Uhr

Von Jenny Strasburg

Die New Yorker Finanzaufseher wollen die Deutsche Bank und auch das britische Geldhaus Barclays enger an die Kandare nehmen. Der Regulierer strebe an, in den Büros der beiden Banken von der Regierung bestellte Überwacher zu installieren, berichten mehrere Personen mit entsprechenden Kenntnissen. Der Schritt erfolge im Zusammenhang mit einer Intensivierung der Untersuchung möglicher Wechselkursmanipulationen.

Das Department of Financial Services habe im Juli Kontakt zu Anwälten der beiden Banken aufgenommen und sie über die geplante Überwachung informiert, berichten die Quellen. Der Regulierer stütze sich dabei auf vorläufige Ergebnisse seiner sechsmonatigen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Wechselkursmanipulationen. Derzeit laufen wohl noch Verhandlungen über die Details der internen Überwachung. Die New Yorker Aufsicht rechne aber schon bald mit einer Einigung.

Die Wahl für ein internes Monitoring sei auf die Deutsche Bank und Barclays gefallen, weil die bisherigen Kontrollen bei diesen beiden Geldhäusern das größte Potenzial für mögliche Probleme gefunden hätten, berichten die Informanten. Hinzu komme, dass die beiden Geldhäuser mit die größten Akteure im Devisenhandel seien. Interne Überwacher bei so großen Mitspielern sollten dabei helfen, auch andere Institute zu beobachten und Muster im Handelsgeschäft zu entdecken, sagten die Personen.

Ein Barclays-Sprecher wollte zu dem Thema keinen Kommentar abgeben. In der Vergangenheit hatte das Institut wiederholt betont, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Dies will auch die Deutsche Bank tun. Zusätzlich sagte ein Sprecher, wenn nötig, werde die Bank auch Disziplinarmaßnahmen gegen einzelne Mitarbeiter einleiten.

Das Anziehen der Daumenschrauben bei den beiden Banken dürfte den Instituten zusätzliche Schmerzen bereiten. Barclays hatte schon im Jahr 2012 den Vorwurf der Manipulation von Referenzzinsen in den USA gegen Zahlung einer hohen Strafe beigelegt. Die Deutschen müssen sich mit diesem Vorwurf noch herumschlagen. Beide Banken kooperieren auch mit den Ermittlern, die sich die außerbörslichen Handelsplattformen der Institute genauer anschauen, so genannte "dark pools". Barclays hat zudem Vorwürfe wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen beigelegt, die Deutsche Bank muss sich damit noch auseinandersetzen.

Die New Yorker Fed hatte zudem die Bilanzierung der US-Töchter der Deutschen Bank bemängelt. Die Bilanzen seien "von geringer Qualität, ungenau und unzuverlässig", hatte der Ableger der US-Notenbank kritisiert. Die Bank hatte darauf mit der Beteuerung reagiert, die Technologiesysteme und Kontrollen zu verbessern und weltweit 1.300 Mitarbeiter für diese Aufgabe vorzuhalten.

Die Installation von Überwachern in den Räumen einer Bank ist nicht ungewöhnlich. Einige Institute haben ein ganzes Stockwerk mit Bundesermittlern in ihrem Haus. Der Schritt ist der jüngste in aktuellen Ermittlungen von Benjamin Lawsky, dem Überwacher ausländischer Banken in den USA.

Lawsky hat auch bei der französischen Bank BNP Paribas in New York einen Überwacher installiert, der sicherstellen soll, dass die Franzosen nicht gegen Geldwäschegesetze verstoßen oder US-Sanktionen gegen Länder verletzen. Wegen früherer Verstöße hatte sich BNP zuvor schuldig bekannt und eine Strafe von 9 Milliarden Dollar akzeptiert.

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Die Deutsche Bank, Barclays und andere Institute haben bereits Dutzende Manager, Händler und andere Mitarbeiter suspendiert oder entlassen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Geldhäuser in den USA, Großbritannien und anderswo.

Das Büro von Lawsky hat laut den Quellen im Januar insgesamt von 19 Banken Informationen angefordert. Von diesen Geldhäusern würden mehr als ein Dutzend weiterhin untersucht.

Insgesamt haben die Banken dem Büro von Lawsky mehrere Millionen Seiten mit Dokumenten ausgehändigt, darunter Emails, Abschriften von Chats sowie Unterlagen von Handelsgeschäften. Händler, Aufseher und Kunden seien zudem interviewt worden, berichten die Informanten. Was Barclays und Deutsche Bank angehe, hätte sich der New Yorker Ermittler neben Handelsgeschäften in der Stadt selbst auch solche in London, Afrika, Lateinamerika und Australien angesehen.

Laut den Quellen fordert der New Yorker Regulierer eine weitreichende Überwachung bei der Deutschen Bank und Barclays. Die intern installierten Kontrolleure sollen auch Mitarbeiter sowie Kunden und Geschäftspartner interviewen dürfen. Auch Einsicht in zusätzliche Dokumente sollen die Überwacher erhalten und sich Handelspraktiken näher anschauen.

Das Büro von Lawsky befinde sich derzeit abschließend im Einstellungsprozeß für zwei Überwacher. Die Kosten für diese Kontrolleure inklusive der Reisespesen müssten Barclays und Deutsche Bank tragen, erwarten die Informanten. Das Büro von Lawsky schließe nicht aus, je nach Fortgang der Ermittlungen auch Überwacher bei anderen Geldhäusern zu installieren.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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