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MÄRKTE EUROPA/"Grexit"-Gespenst kann Börsen nicht mehr schrecken

19.02.2015, 18:24 Uhr

Von Benjamin Krieger

Zunehmend gelassen reagieren die Finanzmärkte auf die Gefahr eines Austritts Griechenlands aus dem Euro. Zwar mussten die Aktienmärkte am Donnerstagmittag vorübergehend Kursverluste hinnehmen, als aus Berlin das "Nein" von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum griechischen Antrag auf weitere Finanzhilfen kam. Damit verhärten sich die Fronten, die Gefahr eines "Grexit" nimmt zu. Mit nicht einmal einem Prozent fielen die unmittelbaren Verluste des DAX aber vergleichsweise gering aus. Nach dem kurzen Rücksetzer legten die Kurse wieder den Vorwärtsgang ein.

Der DAX schloss mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 11.002 Punkten erstmals über der 11.000er Marke. Unmittelbar vor der Ablehnung des griechischen Ansinnens durch Schäuble war der DAX auf ein neues Rekordhoch von 11.022 Punkten gestiegen. Der Euro-Stoxx-50 legte um 0,6 Prozent auf 3.488 Punkte zu auf den höchsten Stand seit Sommer 2008.

Auch dem Euro kann das Hin und Her zwischen Griechenland und der EU nicht mehr viel anhaben. Zwar gab die Gemeinschaftswährung leicht nach auf 1,1376 Dollar. Damit bewegt sich der Euro jedoch wie schon in den vergangenen Tagen in einer engen Handelsspanne zwischen 1,1270 und 1,1450 Dollar.

Christian Schulz von der Berenberg Bank misst dem "Grexit", dem Austritt Griechenlands aus dem Euro, eine Wahrscheinlichkeit von immerhin 35 Prozent bei. Kapitalkontrollen seien in diesem Fall unausweichlich. Diese und eine große wirtschaftliche Unsicherheit dürften eine starke Schrumpfung der Wirtschaftsleistung zur Folge haben. Das Finanzsystem wäre von Zahlungsausfällen auf breiter Front betroffen.

Weit weniger drastisch wären dagegen die Auswirkungen für die Eurozone. "Das Anleihenkaufprogramm der EZB sollte das Risiko einer Ansteckung begrenzen", sagte der Volkswirt. Europas Banken seien "voll mit Liquidität", der Abfluss von Einlagen im großen Stil sei daher unwahrscheinlich. Der absehbare Vertrauensverlust könne die Erholung der Konjunktur in der Eurozone zwar bremsen, aber wohl nur für kurze Zeit.

Auch am Euro-Rentenmarkt sorgt ein drohender "Grexit" nicht mehr für Käufe sicherer Bundesanleihen. Diese stagnieren schon seit Anfang Februar auf hohem Niveau, können also den starken Anstieg der vergangenen Monate nicht mehr fortführen. Auch am Donnerstag traten Bundesanleihen auf der Stelle.

Und selbst in Athen herrschte nach der Ablehnung weiterer Hilfszahlungen für Griechenland durch Schäuble alles andere als Panik: Der Leitindex der Athener Börse stieg um 1,3 Prozent und sogar griechische Anleihen wurden gekauft.

An den Aktienmärkten wären die Kursgewinne noch größer ausfallen, wenn die Kurse der Öl- und Rohstoffproduzenten nicht so stark nachgegeben hätten. Hier belastete der fallende Ölpreis. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fiel um bis zu 3 Prozent. Am Vorabend hatte das American Petroleum Institute wesentlich höhere Ölbestände als erwartet gemeldet. Daraufhin kamen die Preise ins Rutschen. Der Ölsektor büßte 2,0 Prozent ein und Aktien von Rohstoffproduzenten verbilligten sich im Schnitt um 1,1 Prozent.

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Im späten Londoner Ölhandel erholten sich die Brent-Kurs dann wieder merklich auf über 60 Dollar. Daten der US-Behörde EIA zufolge hat sich das Ölangebot jüngst nicht so stark ausgeweitet, wie das die Zahlen des American Petroleum Institute ausgewiesen haben.

Im DAX waren adidas-Aktien mit einem Aufschlag von 5 Prozent größter Gewinner. Der Life-Style-Konzern hat mit der Suche nach einem Nachfolger für den CEO Herbert Hainer begonnen. Händler begrüßten das, denn Hainer wurde in der Vergangenheit immer wieder falsches Management vorgeworfen.

Rückenwind erhielten Europas Börsen auch von Quartalsergebnissen der Unternehmen. So wurden die Aktien von Nestle, Swiss Re, Schneider Electric, der Deutschen Börse und Rheinmetall gekauft, die Kurse stiegen zwischen 0,7 Prozent bei Swiss Re bis zu 7,9 Prozent bei Rheinmetall. Gut kamen bei den Investoren auch die Aktienrückkäufe von Swiss Re und Schneider Electric an.

Enttäuscht reagierten Anleger dagegen darauf, dass Air France-KLM kein Ziel für den operativen Gewinn in diesem Jahr ausgegeben hat. Der Kurs fiel um 5 Prozent.

Schwache Ergebnisse und eine gesenkte Dividende des britischen Versorgers Centrica drückten nicht nur deren Kurs um 8,5 Prozent nach unten, sondern ließen auch E.ON um 1 Prozent nachgeben und RWE um 1,4 Prozent.

ThyssenKrupp verloren 0,8 Prozent, nachdem die Bank UBS ihre Verkaufsempfehlung für die Aktie bekräftigt und das Kursziel auf 15 Euro gesenkt hat.

VW waren erneut ein Kauf, die Aktie stieg um 2,8 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 223,15 Euro. Händler führen die anhaltende Kursstärke auf Positionierungen von Anlegern zurück, bevor die Wolfsburger voraussichtlich in der kommenden Woche Ergebnisse und einen Ausblick auf 2015 vorlegen.

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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.488,08 +22,28 +0,6% +10,9%
Stoxx-50 3.308,51 +1,88 +0,1% +10,1%
Stoxx-600 381,41 +1,04 +0,3% +11,3%
XETRA-DAX 11.001,94 +40,94 +0,4% +12,2%
FTSE-100 London 6.888,90 -9,18 -0,1% +4,9%
CAC-40 Paris 4.833,28 +34,25 +0,7% +13,1%
AEX Amsterdam 469,79 +2,47 +0,5% +10,7%
ATHEX-20 Athen 254,07 +3,34 +1,3% -4,1%
BEL-20 Bruessel 3.624,97 +29,15 +0,8% +10,3%
BUX Budapest 18.080,36 -1,91 -0,0% +8,7%
OMXH-25 Helsinki 3.385,73 -3,94 -0,1% +13,3%
ISE NAT. 30 Istanbul 106.630,29 +1182,44 +1,1% +0,5%
OMXC-20 Kopenhagen 835,95 +5,92 +0,7% +12,3%
PSI 20 Lissabon 5.486,30 -31,48 -0,6% +13,7%
IBEX-35 Madrid 10.910,40 +105,10 +1,0% +6,1%
FTSE-MIB Mailand 21.789,98 +130,65 +0,6% +14,6%
RTS Moskau 906,51 -22,84 -2,5% +14,6%
OBX Oslo 558,31 -5,94 -1,1% +6,6%
PX Prag 1.007,19 +0,31 +0,0% +6,4%
OMXS-30 Stockholm 1.662,24 +10,09 +0,6% +13,5%
WIG-20 Warschau 2.348,06 +1,35 +0,1% +1,4%
ATX Wien 2.426,05 -1,71 -0,1% +12,3%
SMI Zuerich 8.900,18 +99,47 +1,1% -0,9%

DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.05 Uhr Mi, 17.16 Uhr
EUR/USD 1,1376 -0,37% 1,1418 1,1363
EUR/JPY 135,23 -0,24% 135,55 135,38
EUR/CHF 1,0794 0,43% 1,0748 1,0717
USD/JPY 118,89 0,15% 118,72 119,14
GBP/USD 1,5435 -0,16% 1,5460 1,5440
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Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjoens.com

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February 19, 2015 12:24 ET (17:24 GMT)

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