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Freitag, 30. Januar 2015

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MARKT-AUSBLICK/DAX hat alle Pfeile verschossen - Konsolidierung

30.01.2015, 13:52 Uhr

Auf eine Woche der Gewinnmitnahmen sollten sich Anleger in der kommenden Woche einstellen. Nach einer historisch starken DAX-Performance sollte nicht unbedingt auf eine Fortsetzung gewettet werden. An den positiven Rahmenbedingungen nach dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB ändert dies nichts, aber Kurse brauchen ihre Zeit, um sich zu setzen.

In den meisten Aktien-Charts haben sich zudem Muster ausgebildet, die Analysten als "toppy", also am Ende einer Kursrally, bezeichnen. Dazu rücken politische Probleme wie in Griechenland nach der Wahl wieder in den Fokus. Auch die auf Touren kommende Berichtssaison dürfte Anleger eine abwartende Haltung einnehmen lassen. Mehr als eine großangelegte Seitwärtsbewegung sollte von Europas Aktienindizes daher nicht erwartet werden.

Immerhin hat der DAX im Januar den bislang größten Monatsgewinn seit drei Jahren eingefahren, ein Plus von rund 9,5 Prozent. Vom Monatstief zum -hoch wurden sogar fast 1.500 Punkte Plus erzielt, und das innerhalb von nur drei Wochen. Hochgerechnet auf das Jahr entspräche dies einer Rendite von 382 Prozent. In der Vergangenheit wären die meisten Fonds bereits glücklich gewesen, im gesamten Jahr eine Performance in Höhe dieses "EZB-Januars" auszuweisen.

Anleger sollten also nicht zu sehr auf eine Fortsetzung bauen. Erste Hinweise, dass die Normalität auch bei professionellen Marktteilnehmern wieder Einzug hält, gibt es bereits. Sie sichern ihre Gewinne auf den neuen Kursniveaus an. An der Terminbörse Eurex zeigte sich die Unsicherheit bereits in einer sehr hohen Put-Call-Ratio von 2,7. Die Nachfrage nach Put-Optionen zur Kursabsicherung war damit zeitweise fast dreimal höher als die nach den bullishen Call-Optionen.

Zudem fehlt es an neuen Anschubthemen. Der Phase des gespannten Wartens auf die EZB-Entscheidung zum Quantitative Easing folgte eine euphorische Reaktion auf das unerwartet umfangreiche Kaufprogramm. Doch damit sind die Pfeile auch verschossen. Ein ähnlich schwergewichtiges Thema, das die Märkte erneut so stark überraschen könnte, ist nicht in Sicht.

Zudem rücken alte Krisenherde wieder in den Blick. Nach der Wahl in Griechenland wird sich Europa mit seiner politischen Zukunft beschäftigen müssen. Denn die Siegerpartei Syriza hat klargemacht, dass sie das Schulden-Thema neu verhandeln will. Mit dem ersten Treffen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mit dem griechischem Regierungschef Alexis Tsipras am Freitag steht das Thema gerade erst am Beginn seiner Börsenrelevanz.

Der Markt wandele gerade "auf dem schmalen Grat zwischen Gelassenheit und Ignoranz", warnt denn auch Commerzbank-Devisenstratege Lutz Karpowitz. Denn so ganz unmöglich sei ein Scheitern der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geberländern nicht mehr: Ohne eine kurzfristige Verlängerung des Hilfsprogramms droht bereits Ende Februar in Griechenland ein Chaos. Und auch der länger verdrängte Krisenherd Ukraine-Russland könnte via Börse wieder in den Fokus kommen. Der andauernde Rubel-Einbruch und die überraschende Zinssenkung der russischen Notenbank zeigen, wie sehr das Land unter dem Verfall der Rohstoffpreise leidet.

Doch bis dahin dürfte sich der Markt erst wieder einer Fülle von Konjunkturdaten zuwenden: Mit Spannung wird hier auf den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht für Januar am Freitag gewartet. Bereits am Mittwoch davor könnten die Weichen an den Börsen gestellt werden, falls der ADP-Arbeitsmarktbericht hohe Abweichungen von den Erwartungen zeigt. Beweise für einen konstanten, aber moderaten Stellenaufbau in den USA werden von Anlegern als Grundvoraussetzung gesehen, damit die US-Notenbank nicht zu überhasteten Zinserhöhungen greifen wird.

Auch die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) für Januar dürften global die Laune der Investoren bestimmen. Von China bis zu den Einzelstaaten der Eurozone werden die PMI für den Industrie- und Service-Sektor vorgelegt. In den USA stehen zudem die wichtigen ISM-Indizes für beide Sektoren an und in Deutschland diverse Daten zu den Auftragseingängen. Vor allem die VDMA-Aufträge für den Maschinen- und Anlagenbau dürften zeigen, wie hoch die weltweite Investitionsbereitschaft und damit der Glaube an eine blühende Zukunft ist.

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Auch die Ölbranche steht erneut im Fokus. Mit den Quartalszahlen von Exxon Mobil, BP und Statoil dürfte genau auf die Höhe der Gewinneinbußen der Öl-Multis geschaut werden und ob die Furcht der Börsianer vor Dividendenschnitten im Sektor berechtigt ist. Bereits Shell hatte hier mit desaströsen Zahlen überrascht, die teils 20 Prozent unter den Konsensschätzungen der Analysten lagen. Halliburton und Baker Hughes mussten schon Stellenstreichungen ankündigen.

Der DAX dürfte dann seine Outperformance gegen den Euro-Stoxx-50-Index fortsetzen, da er nicht unmittelbar von Öl-Aktien belastet wird. Gegen den US-Markt zeigt sich der DAX ohnehin schon seit Anfang Januar deutlich stärker.

Die Berichtssaison der Unternehmen kommt ins Laufen, hat aber noch nicht volle Fahrt aufgenommen. Investoren achten bei den Zahlen vor allem darauf, ob es neben einer Konjunkturerholung auch Zeichen für deutliche Währungsgewinne über den schwachen Euro gibt.

Die Unternehmen, die über ihren Geschäftsverlauf berichten werden, kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Unter anderem legen bei den Banken Santander, BNP Paribas und BBVA Zahlen vor, im Pharmasektor GlaxoSmithKline, Sanofi und Astrazeneca sowie bei den Telekommunikationsunternehmen Vodafone und KPN. Im DAX veröffentlichen die Schwergewichte Daimler und Münchener Rück ihre Daten; bei den Nebenwerten im MDAX sind es GEA, Osram und Hannover Re.

DJG/mod/cln

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January 30, 2015 07:52 ET (12:52 GMT)

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