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Donnerstag, 28. August 2014

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MÄRKTE EUROPA/Schwindende EZB-Fanatasie und Ukraine-Krise drücken Börsen

28.08.2014, 12:29 Uhr

Von Herbert Rude

Die Kurse an Europas Börsen weiten ihre Verluste am Donnerstagmittag aus. Der DAX verliert 1,2 Prozent auf 9.455 Punkte, und der Euro-Stoxx-50 gibt um 1,0 Prozent auf 3.164 Zähler nach. Neue Konjunktur- und Preisdaten aus der Eurozone haben die Spekulation in Bezug auf ein Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank gedämpft. Gerade diese Spekulation auf neue stützende Maßnahmen der EZB hatte jedoch die jüngste Erholungs-Rally an den Börsen befeuert.

Für zusätzlichen Druck sorgen Meldungen aus der Ukraine. Deren Präsident Poroschenko hat ein Treffen des ukrainischen Sicherheitsrates wegen einer Verschärfung der Lage in der Ost-Ukraine einberufen und daher seine geplante Reise in die Türkei abgesagt.

Die spanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,6 Prozent gewachsen im Vergleich zum ersten Quartal. Gleichzeitig sind die Preise in Spanien im August mit 0,5 Prozent etwas weniger stark zurückgegangen als befürchtet. Das nimmt möglicherweise ein wenig den Druck von der EZB, mit zusätzlichen Maßnahmen gegen Konjunkturschwäche und Deflationsgefahren anzukämpfen.

Neue Inflationsdaten aus einzelnen deutschen Bundesländern deuten auf eine etwas höhere Teuerung hin. Volkswirte haben bisher eine unveränderte Jahresteuerung von 0,8 Prozent prognostiziert. Der deutsche Arbeitsmarkt sei daneben nur durch Ferieneffekte schwächer ausgefallen: "Der Grund hierfür liegt ... an den Sommerferien, die im August in allen Bundesländern noch andauern und die typischerweise mit dem Ende der Feriensaison verbundenen Neueinstellungen verzögert haben. Daher sollte man die jüngste Entwicklung nicht überinterpretieren", kommentiert Mario Gruppe, Analyst der NordLB.

Der Euro wertet zum US-Dollar etwas auf und pendelt um die Marke von 1,32 Dollar. Am Mittwochmorgen handelte die Gemeinschaftswährung mit 1,3152 noch auf dem niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Händler vermuten, dass zuletzt mit Blick auf die Geldpolitik der EZB schon zu viel Negatives für den Euro eingepreist worden sein könnte. Seit Anfang Juli hat der Euro zum Dollar kontinuierlich nachgegeben.

Bundesanleihen legen leicht zu, zehnjährige Papiere werfen eine Rendite von knapp 0,9 Prozent ab. Die Kurse steigen seit Wochen auf immer neue Höchststände. "Auch heute spricht wenig dafür, dass sich daran grundsätzlich etwas ändert", sagt Johannes Jander von der Helaba.

Die Deutsche Bank ist mit Blick auf deutsche Aktien etwas vorsichtiger geworden und hat das DAX-Ziel per Ende 2014 um 500 Punkte auf 10.500 gesenkt. Bei Kursimpulsen zu einzelnen Aktien herrscht weiter Sommerflaute. Lufthansa-Aktien geben um 2,4 Prozent nach. Bei der Tochter Germanwings wird am Freitag gestreikt, falls es bei den Verhandlungen keine Einigung gibt.

Etwas verwundert äußern sich Händler zum leichten Minus von 0,5 Prozent bei Dialog Semiconductor. Das in London gelistete Vergleichsunternehmen CSR schieße um 25 Prozent nach oben, nachdem ein Bericht in der "Financial Times" von Übernahmeangeboten berichte. "Da es sich um mehrere Angebote handeln soll, aber nur einer die CSR bekommen kann, stellt sich die Frage, ob die nicht zum Zuge gekommenen sich der Dialog zuwenden", so ein Händler. Dies sollte auch den Kurs von Dialog weiter treiben.

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Evotec verlieren 6,0 Prozent und geben damit die Gewinne vom Mittwoch zum Großteil wieder ab. "Die Übernahmespekulationen kommen und gehen bei Evotec" erklärt ein Händler die kräftige Kursbewegung in Evotec. Am Mittwoch kursierte das Gerücht am Markt, dass nun auch GlaxoSmithKline Interesse an dem deutschen Biotech-Unternehmen habe. Andere Kandidaten waren in der Vergangenheit bereits Johnson & Johnson und AstraZeneca.

Der Kurs des Medizintechnik-Herstellers Drägerwerk steigt um 1,1 Prozent. Die Berenberg Bank hat die Aktie zum Kauf empfohlen.

An der Pariser Börse geht es deutlich lebhafter zu als am deutschen Markt. So treibt eine höhere Gewinnprognose von Essilor für dieses Jahr den Aktienkurs um 4,8 Prozent nach oben. Der Hersteller von Kontaktlinsen ist mit einem Börsenwert von 16,5 Milliarden Euro viermal so groß wie die deutsche Fielmann.

Bei Pernod Ricard ist der Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr um fast 13 Prozent zurückgegangen. Der Hersteller von Pastis 51, Ramazzotti und Absolut Wodka will 900 Stellen abbauen und so Kosten sparen. Der Kurs steigt um 1,2 Prozent.

Aktien des Mischkonzerns Bouygues fallen dagegen um 0,5 Prozent, nachdem der Konzern das Umsatzziel für dieses Jahr leicht gesenkt hat. Als Grund nennt Bouygues den Preiswettbewerb in der französischen Telekombranche.

Die spanische Telefonica und die italienische Telecom Italia wetteifern um die brasilianische Telefongesellschaft GVT, eine Tochter von Vivendi. Telefonica hat wie erwartet ihre Offerte für GVT auf 7,45 Milliarden von 6,7 Milliarden Euro erhöht. Damit übertrifft Telefonica das kurz zuvor vom Wettbewerber Telecom Italia unterbreitete Angebot. Vivendi-Aktien geben dennoch um 1,1 Prozent nach. Telecom Italia können sich mit 0,86 Euro behaupten, Telefonica verlieren 0,5 Prozent.

In Helsinki weiten Nokia die Kursverluste vom Mittwoch um 1,8 Prozent aus. Beobachtern zufolge könnte es nun eng werden mit einer Rückkehr der Aktie in den Euro-Stoxx-50-Index. Der Schlusskurs der Aktie am Freitag entscheidet darüber, ob die Finnen in den Blue-Chip-Index zurückkehren.

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INDEX Stand +-%
Euro-Stoxx-50 3.164,08 -0,95%
Stoxx-50 3.029,28 -0,64%
DAX 9.455,28 -1,20%
FTSE 6.805,43 -0,37%
CAC 4.364,78 -0,69%
EUREX Stand +-Ticks
Bund-Future 151,49% +18


DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.20 Uhr Mi, 17.41 Uhr
EUR/USD 1,3186 -0,16% 1,3207 1,3196
EUR/JPY 136,67 -0,29% 137,07 137,17
EUR/CHF 1,2056 -0,11% 1,2069 1,2069
USD/JPY 103,67 -0,11% 103,78 103,94
GBP/USD 1,6580 -0,08% 1,6594 1,6578
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Kontakt zum Autor: herbert.rude@wsj.com

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August 28, 2014 06:29 ET (10:29 GMT)

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