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MARKT-AUSBLICK/Rally voraus dank ifo und Banken-Stresstest

24.10.2014, 13:06 Uhr

Von Michael Denzin

Kräftig nach oben sollte es kommende Woche an Europas Börsen gehen. Die Erleichterung über die relativ gesunde Konjunktur dürfte frische Käufe befeuern. Denn langsam sehen die Märkte ein, dass ihre Befürchtungen hinsichtlich der globalen Wirtschaftslage übertrieben sind. Sollte es keine Störfeuer durch ifo-Index, Banken-Stresstest und Berichtssaison geben, schalten die Börsenampeln endgültig auf Grün.

Damit könnte ein kleines Panik-Intermezzo sein Ende finden, das mit den deutschen Daten zu Auftragseingang und Industrieproduktion Anfang Oktober begann. Vor allem Euro-Ausländer hatten es sich hier zu einfach gemacht und lediglich auf Schlagzeilen wie "stärkster Einbruch seit fünf Jahren" bei der Datenveröffentlichung geachtet. Ein tiefergehender Blick in die Details dahinter wurde geflissentlich unterlassen, das Schlagwort der kurz bevorstehenden "Rezession" in Deutschland und damit Europa machte die Runde.

Inländische Analysten versuchten dabei ihr Bestes, auf Sondereffekte durch den sehr späten Beginn der Sommerferien in Deutschland hinzuweisen - doch vergeblich. Der Markt wurde abverkauft und auf neue Jahrestiefs gedrückt. Der Kapitalabzug aus Europa sprang dabei auf Spitzenwerte.

Seit der Veröffentlichung der Einkaufsmanager-Indizes (PMIs) für Deutschland und Europa in dieser Woche ist nun aber amtlich, dass dies eine Übertreibung war. Denn anstelle eines beschleunigten Rückgangs unterhalb der Expansionsschwelle von 50 stiegen die Daten überraschend stark. "Vorzeichenwechsel bei Konjunkturdaten erwischen den Markt oft auf dem völlig falschen Fuß", sagte ein Händler. Denn Investoren hatten sich auf einen Rückgang des deutschen Industrie-PMI auf 49,5 nach 49,9 eingestellt, stattdessen sprang er auf konjunkturbelebende 51,8 an. Auch der europaweite PMI kletterte entgegen der Erwartung.

Die Kursreaktionen danach zeigten, wie schlecht der Markt auf dieses Szenario vorbereitet war. Für echte "Erschütterung" bei den Rezessionsgläubigen muss wohl die Erkenntnis gesorgt haben, dass es sich nicht nur um ein deutsches, sondern eher globales Phänomen handelte. Besonders scharf fielen daher die Reaktionen auf bessere Zahlen bei Einzeltiteln aus, die als konjunkturempfindlich gelten: So sprangen Caterpillar in den USA gleich nach Zahlenvorlage zunächst um 7 Prozent und Volvo in Schweden um 10 Prozent. Klare Zeichen für eine vorhergehende Untergewichtung in den Portfolios, die wieder ausgebügelt werden muss.

Anleger, die unverändert auf fallende Kurse setzen wollen, sollten daher mit Vorsicht in die kommende Woche gehen. Sollte der ifo-Geschäftsklima-Index für Oktober am Montag ebenfalls positiv überraschen, gäbe es dafür kaum noch Gründe. Derzeit ist der Markt für einen leichten Rückgang im ifo positioniert, der zuletzt bei 104,7 Punkten lag. Nach den deutschen PMIs sollte klar sein, dass auch deutlich höhere Werte möglich sind.

Die Unternehmenszahlen kommende Woche dürften daher auf Rückschlüsse auf die gesamte Konjunktur untersucht werden. Zyklische Unternehmen gibt es dafür genug: Allein im DAX legen Bayer, Linde, VW und Lufthansa Daten vor, daneben Deutsche Bank und Deutsche Börse. Bei den Nebenwerten könnten Mori Seiki (Gildemeister), GEA und MAN interessante Indikationen liefern. In Europa legen zudem Renault, Fiat, AirFrance-KLM, Novartis und die Ölkonzerne ihre Daten vor.

Reine Konjunkturdaten gibt es zudem reichlich, unter anderem aus der EU das Geschäftsklima und Inflationsdaten, aus den USA die Auftragseingänge, der Chicago-Einkaufsmanager-Index und sogar das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum ersten Quartal. Daneben entscheiden gleich vier Zentralbanken der G10 über ihre Geldpolitik. Vor allem die US-Notenbank steht im Blick. Bessere Konjunkturdaten dürften der Spekulation auf ein verschobenes Ende der lockeren Geldpolitik aber einen Riegel vorschieben, heißt es dazu von der Commerzbank.

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Einen Sonderfall stellen Banken dar: Zwar veröffentlicht hier gefühlt die halbe Branche ihre Zahlen, im Fokus stehen aber die Ergebnisse des Stresstests von 130 europäischen Banken durch die EZB. Sie werden am Sonntag um 12.00 Uhr veröffentlicht. Sollten von dort versöhnliche Signale kommen, dürften gute Quartalszahlen dann besonders stark honoriert werden. Neben der Deutschen Bank legen BNP Paribas, BBVA, Barclays, Royal Bank of Scotland, Lloyds und UBS Daten vor.

An der Börse sieht man dem Banken-Stresstest gelassen entgegen und hofft auf keine bösen Überraschungen. Die Schätzungen für den zusätzlichen Kapitalbedarf, den die Banken zu erfüllen haben, gingen bereits zurück. Während zur Wochenmitte noch ein Bedarf von 50 Milliarden Euro gesehen wurde, liegt die Erwartung inzwischen bei der Hälfte und weniger.

Dies wird am Markt als eine Größenordnung eingestuft, die zu keinen Verwerfungen im Bankensektor führt. "Je geringer der zusätzliche Kapitalbedarf ist, desto weniger Kapitalerhöhungen werden nötig, die die Aktien belasten", sagt ein Händler. Denn Kapitallücken müssten binnen sechs Monaten geschlossen werden. Ein deutlich niedrigerer Bedarf sollte daher die Entspannungsrally nur noch weiter befeuern.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.de

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