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T-Mobile US ist heimlicher Gewinner der Mobilfunkauktion

31.03.2015, 17:52 Uhr

Von Thomas Gryta

T-Mobile USA könnte der heimliche Gewinner bei der jüngst abgeschlossenen staatlichen Auktion von Mobilfunklizenzen sein. Die größte Rechnung hat jedenfalls der Wettbewerber AT&T zu begleichen.

Die rekordverdächtigen Gebote in Höhe von 45 Milliarden Dollar trieben den Wert des Spektrums nach oben. Pikant: Es handelt sich dabei um Frequenzen der mittleren Bandbreite, also genau den Frequenzen, die AT&T 2012 an den Rivalen T-Mobile übergeben musste, als die Fusion zwischen den beiden Firmen scheiterte.

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Teure Trennung

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Kaum eine Firmentrennung war je so teuer wie die von T-Mobile und AT&T. Letztere mussten insgesamt vier Milliarden Dollar auf den Tisch blättern, drei Milliarden in bar sowie Frequenzen im damals geschätzten Wert von einer Milliarde Dollar. Mit der jüngsten Auktion stiegen die Kosten für AT&T nachträglich noch weiter: Analysten bei New Street Research schätzen, dass das gleiche Spektrum jetzt 4,7 Milliarden Dollar wert ist, wodurch AT&T praktisch fast acht Milliarden Dollar an Bargeld und Mobilfunk-Frequenzen an T-Mobile abgeben musste.

Die T-Mobile-Übernahme war ein seltener Fehltritt in einer Serie von teuren Zukäufen bei AT&T. Inzwischen ist die Aktion zwar Schnee von gestern, doch sie erklärt auch heute noch den Druck, der auf AT&T und dem Firmenchef Randall Stephenson lastet: Die nächste Übernahme muss sitzen.

Der 49 Milliarden Dollar teure Kauf von DirecTV, den AT&T bald abschließen will, ist kein so großes regulatorisches Risiko wie die Übernahme von T-Mobile US. Allerdings engagiert sich AT&T dadurch deutlich stärker im Bezahlfernsehbereich, und das zu einer Zeit, da Verbraucher immer mehr Alternativen haben.

AT&T hat sich durch eine Reihe von Zukäufen zu Zeiten des einstigen CEOs Ed Whitacre von einem regionalen Telefonanbieter zu einem nationalen Telekomriesen gemausert. Jetzt ist das Unternehmen so groß, dass solche Übernahmen aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr möglich sind.

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Mit DirecTV verringert AT&T die Abhängigkeit vom Mobilfunk

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Die Übernahme von DirecTV ist die größte, seit AT&T 2006 für 85 Milliarden Dollar den Konkurrenten BellSouth kaufte. Einige Beobachter an der Wall Street wollten es nicht glauben, als das Wall Street Journal im Frühjahr 2014 berichtete, dass ein neuer Zukauf vorbereitet werde. Es schien strategisch keinen Sinn zu machen, ein Unternehmen aus einem Bereich zu kaufen, der seinen Zenit überschritten hat. Inzwischen sehen viele Beobachter ein, warum AT&T Interesse an DirecTV hat: Der Zukauf würde den Cash Flow von AT&T steigern und es leichter machen, die hohen Dividenden und Investitionskosten zu finanzieren.

Vor kurzem versprach AT&T, dass die Kostenvorteile durch die Fusion deutlich höher sein würden als ursprünglich erwartet. Im Mai berichtete der Telekomkonzern noch, dass er ab dem dritten Jahr nach der Fusion jährlich mindestens 1,6 Milliarden Dollar einsparen würde, vor allem durch Inhalte in der TV-Sparte.

Mithilfe von DirecTV kann sich AT&T von seiner Abhängigkeit vom amerikanischen Mobilfunkgeschäft lösen, wo Marktsättigung und Wettbewerb immer stärker auf dem Wachstum lasten. AT&T-Manager sagen, dass die Übernahme dem Konzern eine kritische Masse im TV-Geschäft verleihen wird. So dürfte es etwa möglich werden, neue mobile Videodienste anzubieten.

Letztendlich will sich AT&T grundlegend wandeln. "In zwölf Monaten wird die Umsatzaufteilung von AT&T ganz anders aussehen", sagte Stephenson im Januar.

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Das teure Abenteuer T-Mobile US

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Noch vor vier Jahren wollte AT&T im Mobilfunkgeschäft wachsen und T-Mobile für 39 Milliarden Dollar übernehmen. Als der Deal scheiterte, kam T-Mobile an neue Frequenzen, die den Zugang zu 121 Millionen Verbraucher sichern. Das entspricht etwa 39 Prozent der USA, zeigen amtliche Dokumente. Außerdem wurde eine langfristige Abmachung getroffen, nach der T-Mobile die Frequenzen von AT&T mitnutzen darf.

AT&T musste daher bei der jüngsten Auktion, die im Januar endete, den eigenen Vorrat an Frequenzen auffrischen. Das Unternehmen gewann bei der Auktion Frequenzen im Wert von 18,2 Milliarden Dollar, so viele wie kein anderer Teilnehmer. Der Rivale Verizon Communications ersteigerte 10,4 Milliarden Dollar an Bandbreite.

Am schlimmsten war wohl für AT&T, dass T-Mobile plötzlich ein ernstzunehmender Wettbewerber wurde und nicht mehr der handlungsunfähige Schwächling am Markt war, den AT&T 2011 in Fusionsdokumenten beschrieb.

Das Geld sowie die Frequenzen von AT&T hat T-Mobile genutzt, um das eigene Netz aufzubessern. Vergangenes Jahr senkte AT&T die Preise für einen Großteil der eigenen Kunden, um diesen Angriff von T-Mobile abzuwehren.

AT&T scheint aus der gescheiterten Fusion gelernt zu haben. Dieses Mal hat sich der Konzern einen Übernahmekandidaten ausgesucht, mit dem sich die Aufsicht wohl besser abfinden kann. Und wenn der Staat wieder ein Veto einlegt, muss AT&T keine Strafgebühr zahlen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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