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UPDATE2: Französische Regierung favorisiert GE-Angebot für Alstom

20.06.2014, 21:55 Uhr

-- Alstom verkauft Gasturbinengeschäft an GE

-- GE und Alstom gründen Joint Ventures für weitere Energiebereiche

-- Alstom übernimmt Bahn-Signaltechnik von den Amerikanern

-- Frankreich übernimmt 20-Prozent-Anteil an Alstom

NEU: Reaktion von Siemens)

Von Inti Landauro

Im Tauziehen um das Energiegeschäft des Industriekonzerns Alstom hat die Siemens AG mit ihrem Partner Mitsubishi Heavy Industries das Nachsehen. Der US-Mischkonzern General Electric hat mit seinem 17 Milliarden US-Dollar schweren Angebot die Gunst der französischen Regierung gewonnen. Die Einigung verkündete Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am späten Freitagnachmittag.

Bevor die Transaktion jedoch über die Bühne geht, wird sich der französische Staat an Alstom beteiligen. Er übernimmt einen Anteil von 20 Prozent von dem Industriekonglomerat Bouygues, um sich Einfluss auf Alstom zu sichern. "Alstom kann vom Staat kontrolliert und unterstützt werden", sagte Montebourg.

Unter der vorgeschlagenen Vereinbarung wird Alstom sein Gasturbinengeschäft, für das auch Siemens geboten hatte, an General Electric verkaufen. Der Bereich Dampfturbinen und Erneuerbare Energien wird in Joint Ventures mit GE eingebracht. In einer separaten Transaktion wird Alstom das Bahn-Signalgeschäft von GE für rund 1 Milliarde Euro übernehmen. Der Board von Alstom, der schon das erste Angebot von GE vorläufig angenommen hatte, trifft sich noch am Freitag, um über den Vorschlag zu befinden.

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Die Partner Siemens und Mitsubishi, denen Montebourg für ihr Angebot dankte, hatten ihre Offerte zuletzt noch aufgestockt, nachdem auch General Electric nachgelegt hatte. Die Japaner wollten einen Anteil von 40 Prozent am kombinierten Dampf-, Energienetz- und Wasserkraftgeschäft von Alstom erwerben. Mitsubishi Heavy wollte sich dies zuletzt 3,9 Milliarden Euro kosten lassen. Für das begehrte Gasturbinengeschäft von Alstom, auf das Siemens ein Auge geworfen hat, wollen die Münchener 4,3 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Siemens sagte am Abend, sie respektiere und verstehe die Entscheidung Frankreichs für das Gebot von GE. Alstoms Gasturbinengeschäft hätte indes strategisch gut gepasst, so das Münchener Unternehmen.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte damit geworben, dass Alstom so in seiner jetzigen Form in allen Geschäftsfeldern mit Ausnahme des Gasturbinengeschäfts erhalten bliebe. Da der japanische Partner sich nur mit 40 Prozent am Dampf-, Energienetz- und Wasserkraftgeschäft der Franzosen beteiligen wolle, würde dieses Geschäft weiterhin bei Alstom konsolidiert.

In Bezug auf das Mobilitätsgeschäft hatte sich Kaeser bereit erklärt, für den Teilbereich Signaltechnik, falls gewünscht, Verhandlungen zu beginnen. Dieser Bereich würde laut Kaeser ohne Vorbelastungen beispielsweise durch Restrukturierungsprobleme in die Verhandlungen gehen können, anders als das Bahngeschäft insgesamt. Außerdem sieht er für die Signaltechnik keine kartellrechtlichen Probleme, sollten Siemens und Alstom dort tatsächlich zusammenarbeiten wollen. Siemens ist in der Signaltechnik Weltmarktführer und würde bei einer Partnerschaft mit den Franzosen in diesem Bereich laut Kaeser entsprechend die unternehmerische Führung behalten wollen. Das Bahngeschäft insgesamt hat Kaeser nach eigenen Angaben bewusst außen vor gelassen, weil das Angebot andernfalls zu komplex geworden wäre.

Obwohl die französische Regierung bislang nicht an Alstom beteiligt ist, hat sie sich kurz nach Bekanntwerden des GE-Interesses Ende April sehr schnell als Königsmacher in dem Übernahmekampf positioniert. Zuerst war Montebourg eingeschritten, um einen überhasteten Verkauf an GE zu verhindern. Dann erließ die französische Regierung ein Dekret, das ihr mehr Mitspracherechte bei Übernahmen gibt. Sie verfügt damit de facto über ein Vetorecht bei Übernahmen in Branchen, die als strategisch wichtig für das Land angesehen werden, darunter auch Energie und Transport. In Bezug auf Alstom wurde damit argumentiert, dass dessen Elektrizitätssparte französische Atomkraftwerke beliefert.

Später mussten sowohl Siemens als auch GE ihre Angebote nachbessern. Die Regierung verlangte Jobgarantien für Frankreich. Zudem sollen wichtige Entscheidungszentren im Land verbleiben und die Unabhängigkeit des Landes im Energiesektor gewährleistet werden.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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