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MÄRKTE USA/Ausverkauf an Nasdaq zieht Dow & Co mit nach unten

04.04.2014, 22:14 Uhr

Der seit Tagen zu beobachtende Ausverkauf von Aktien aus dem Technologie- und Biotechnologie-Segment hat sich am Freitag an den US- Börsen beschleunigt. Erstmals blieben davon auch die zuletzt auf Rekordhochs gestiegenen Indizes Dow-Jones und S&P-500 nicht verschont. "Die Bewegung raus aus Wachstum und rein in Werthaltigkeit, die wir seit einiger Zeit sehen, hat auf den breiten Markt übergegriffen", sagte Handelsexperte Ian Winer von Wedbush Securities.

Der Dow-Jones-Index - zu Beginn des Handels noch auf ein Allzeithoch von 16.631 Punkte gestiegen - ging mit einem Minus von 1,0 Prozent und 16.413 Punkten aus dem Tag. In der Wochenbilanz bedeutet das ein Minus von 0,3 Prozent.

Der Nasdaq-Composite brach dagegen regelrecht ein um 2,6 Prozent. Phasenweise verzeichnete er das stärkste Tagesminus seit Juni 2012. Der Nasdaq-Subindex der Technologieaktien büßte 2,6 Prozent ein, noch stärker traf es den Biotechsektor mit einem Minus von 4,1 Prozent. Weniger dramatisch sieht der Blick auf die Wochenbilanz des Nasdaq-Composite aus. Am Freitag der Vorwoche hatte der Index lediglich 1,4 Prozent höher gelegen.

Das ist nicht einfach nur ein Käuferstreik", meinte J.T. Cacciabaudo, Chef des Aktienhandels bei Sterne, Agee & Leach. "Das sind echte Verkäufe querbeet, angeführt von Technologie und Biotechnologie, begleitet von guten Volumen auf dem Weg nach unten".

Umgesetzt wurden an der NYSE 781 (Donnerstag: 661) Millionen Aktien. Dabei kamen nach ersten Angaben auf 1.093 (1.263) Kursgewinner 2.032 (1.833) -verlierer. Unverändert schlossen 89 (119) Titel.

Aktien wie Microsoft, Twitter, Amazon, Yahoo, Google und Facebook verloren zwischen 2,5 und knapp 5 Prozent. Micron Technology, die zunächst nach gut ausgefallenen Geschäftszahlen noch zugelegt hatten, konnten sich dem Sog nicht entziehen und gingen fast 6 Prozent schwächer aus dem Tag. Auch Tesla kamen unter die Räder und verloren 5,8 Prozent. Tesla wie auch Facebook haben damit von ihren jüngsten Hochs mehr als 20 Prozent verloren, womit sie aus technischer Sicht in einen Abwärtstrend eingeschwenkt sind.

Im Handel war von einem "brutalen Ausverkauf" zu hören. Vieles davon sei auf kurzfristige Positionierungen von Hedgefonds zurückzuführen, die zu Anfang des Jahres auf eben diese Aktien noch gesetzt hätten. Die Aktienkurse schnell wachsender Internet-, Software- und Biotechnologieunternehmen hätten in den ersten Wochen 2014 dann auch deutliche Kursgewinne erzielt. Diese büßten sie nun wieder ein.

Die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten lösten derweil widersprüchliche Interpretationen aus und waren nicht der entscheidende Faktor hinter den Verlusten am Aktienmarkt. Für die einen werfen sie ein eher positives Licht auf die US-Konjunktur und sorgen kaum für Fantasie, was den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank betrifft. Für die anderen haben sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Fed die Zinserhöhung weiter hinauszögern könnte. Am Zins-Future-Markt wurde letzteres eingepreist, am Anleihemarkt zogen die Kurse an. Die Zehnjahresrendite der US-Treasuries sank deutlich um 6 Basispunkte auf 2,73 Prozent.

Der Bericht sei nicht stark genug ausgefallen, um die Fed zu einer beschleunigten Normalisierung ihrer Geldpolitik zu bewegen, sagte Richard Franulovich, Währungsexperte bei Westpac Banking. Im März waren mit 192.000 neu geschaffenen Stellen die Prognosen zwar knapp verfehlt worden, dafür wurden aber die Daten der beiden Vormonate nach oben korrigiert.

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Der Arbeitsmarktbericht sei gut, aber nicht großartig ausgefallen, befand Investmentstratege Anthony Valeri von LPL Financial und Volkswirt Ian Shepherdson von Pantheon Macroeconomics konstatierte: "Die Erholung nach der Winterdelle, auf die wir gehofft hatten, hat es nicht gegeben. Dafür war der Rückschlag im Winter schwächer als zunächst angenommen".

Am Devisenmarkt werteten einige Schwellenländerwährungen nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten auf Mehrwochenhochs aufgewertet - beispielsweise der Brasilianische Real, die Türkische Lira, der Mexikanische Peso und der Rand. Die Daten seien ein Zeichen für eine Verstetigung des konjunkturellen Aufwärtstrends, was steigende Exporte der Schwellenländer in die USA zur Folge haben könnte, sagte Marktstratege Win Thin von Brown Brothers Harriman und betonte: "Die US-Wirtschaft zieht an, ohne dass die Fed kurzfristig die Zinsen anheben muss."

Beim Euro tat sich im US-Handel nur wenig. Zuvor war er kurz auf unter 1,3680 abgetaucht wegen eines Berichts, wonach die EZB Rechenexempel durchspielt, wie sich der Kauf von Anleihen im Gesamtvolumen von 1.000 Milliarden Euro auf die zuletzt zu niedrige Inflation auswirken würde.

Aufwärts ging es beim Gold und beim Öl. Der Goldpreis stieg auf 1.303 Dollar, verglichen mit Ständen knapp unter 1.290 am Vortag. Einige Marktteilnehmer wollten darin eine Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten erkennen, die die US-Notenbank etwas zögerlicher machen könnte mit Blick auf eine Zinserhöhung. Andere Marktbeobachter sahen in dem moderaten Anstieg eher eine Gegenreaktion auf die tagelange Talfahrt zuvor.

Die Ölpreise setzten ihren positiven Vortagestrend fort. Das Barrel der US-Sorte WTI kostete zuletzt 101,12 Dollar, rund 0,80 Dollar mehr als am Donnerstag. Hier lautete die Argumentation, dass sich das US-Wirtschaftswachstum offenbar verstetige, was eine steigende Ölnachfrage zur Folge haben könnte.

Zu den in der Unterzahl befindlichen Gewinnern am Aktienmarkt gehörte unterdessen die Aktie von Anadarko Petroleum, die um 2 Prozent stieg. Das Unternehmen zahlt in einem Vergleich mit der US-Regierung im Streit um Umweltsünden 5,15 Milliarden US-Dollar. Im Raum hatten auch Betrugsvorwürfe gestanden. Positiv aufgenommen wurde am Markt, dass das schwedische Spezialitäten-Pharmaunternehmen Meda einen Annäherungsversuch des größeren US-Wettbewerbers Mylan zurückgewiesen hat. Der Mylan-Kurs gewann 1,5 Prozent.

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INDEX zuletzt +/- % absolut
DJIA 16.412,71 -0,96 -159,84
S&P-500 1.865,09 -1,25 -23,68
Nasdaq-Comp. 4.127,73 -2,60 -110,01
Nasdaq-100 3.539,38 -2,70 -98,20

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 7.50 Uhr Do, 18.16 Uhr
EUR/USD 1,3702 -0,02% 1,3705 1,3711
EUR/JPY 141,4663 -0,62% 142,3450 142,5464
EUR/CHF 1,2217 -0,08% 1,2227 1,2233
USD/JPY 103,2600 -0,60% 103,8790 103,9450
GBP/USD 1,6578 -0,04% 1,6585 1,6582

Kupon Laufzeit Notierung Änderung Rendite Änderung
1/4% 2 Jahre 99-29/32 +2/32 0,419% -3,5 Bp
3/4% 3 Jahre 99-21/32 +5/32 0,871% -5,4 Bp
1 1/2% 5 Jahre 99-20/32 +12/32 1,705% -8,3 Bp
2 3/8% 7 Jahre 99-23/32 +18/32 2,291% -8,9 Bp
2 3/4% 10 Jahre 100-6/32 +17/32 2,726% -6,4 Bp
3 3/4% 30 Jahre 100-23/32 +23/32 3,585% -4,0 Bp
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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April 04, 2014 16:14 ET (20:14 GMT)

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