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US-Konzerne loten Chancen für Handel mit Kuba aus

18.12.2014, 10:59 Uhr

Von Jack Nicas, Ryan Knutson und John W. Miller

US-Konzerne wittern dank der politischen Annäherung an Kuba auf der Karibikinsel wieder Morgenluft. Sie könnten Zugang zu einem Markt erhalten, der seit mehr als einem halben Jahrhundert für sie in weiter Ferne liegt. Allerdings hat der Staat kommerziell viel weniger zu bieten als früher einmal.

US-Firmen wie General Motors, der Agrarkonzern Cargill oder der Möbelhändler Ethan Allan begrüßten allesamt Präsident Barack Obamas Initiative. Das Weiße Haus hatte angekündigt, wieder diplomatische Beziehungen zu Kuba aufzunehmen und das seit 54 Jahre bestehende Embargo in Teilen aufzuheben. Mit dem Schritt der US-Regierung sollen auch die Handelsbeziehungen beider Staaten wieder aufleben. Viele Exporte von US-Gütern nach Kuba sollen erneut erlaubt werden. Auflagen für Finanztransaktionen sollen gelockert werden. Obama will auch Grenzen für Überweisungen nach Kuba aufheben.

Kuba braucht alles, was wir in den USA machen", berichtet Direktor Bill Lane von Caterpillar. Der Konzern will bald wieder seine Landwirtschafts-, Bau- und Minenausrüstung liefern. "Wir forderten die Politik seit 15 Jahren zu einer neuen Haltung gegenüber Kuba auf."

Trotzdem schreckten viele Firmen davor zurück, Investitionen in den Karibikstaat zu versprechen. Möglichkeiten ergeben sich in Landwirtschaft, Telekommunikation, Einzelhandel, Tourismus und bei Bodenschätzen. Doch viele Hindernisse bleiben bestehen. Das größte davon: Das Embargo für einen vollständigen Handel zwischen beiden Ländern bleibt in Kraft. Daran kann nur der US-Kongress etwas ändern.

Die USA werden nunmehr gewisse Ausfuhren zulassen, darunter Materialien für den Wohnungsbau, landwirtschaftliches Gerät und Güter, die von Kleinfirmen wie Restaurants und Friseuren verwandt werden. Nach Angaben von US-Vertretern exportierte das Land 2013 Medizin im Wert von 300 Millionen und Nahrungsmittel im Wert von 3 Milliarden Dollar nach Kuba. Beide Gütergruppen sind vom Embargo ausgenommen und weisen auf das Potenzial des Handels mit der Karibikinsel hin.

US-Gäste werden aus Kuba Güter, die 400 Dollar teuer sind, mit nach Hause nehmen dürfen, darunter 100 Dollar für Tabak und Alkohol. Damit gelangt eine kleine Menge kubanischer Zigarren und Rum des Landes in die USA. Kuba-Besucher dürfen auch US-Kreditkarten nutzen. US-Organisationen können für gewisse autorisierte Transaktionen Konten bei kubanischen Banken eröffnen. Das Verbot für Tourismus-Reisen nach Kuba könne jedoch nur der Kongress beenden, erklären Vertreter der Obama-Administration.

In den 1950er Jahren boomte der US-Kuba-Handel. Panam flog US-Touristen in Scharen zu Havannas Kasinos und Strandbadeorten. Zugleich war Kuba ein Hauptexporteur für Zucker. Die USA waren zugleich wichtigster Handelspartner und Investor für Kuba. US-Firmen profitierten von den Bodenschätzen des Inselstaats.

Kubas Wirtschaft ist auch heute noch weitgehend vom Staat kontrolliert. Seine Verbraucher sind relativ arm. Die Märkte werden von multinationalen Konzern aus Ländern bedient, die ihre Beziehungen zur Insel nicht gekappt hatten. Diese Faktoren könnten die Möglichkeiten für US-Firmen begrenzen - selbst wenn der Kongress das US-Embargo vollständig aufhebt.

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Mutige US-kubanische Geschäftsleute dürften sich zuerst in den Karibikstaat vorwagen. Luis Coello kam im Jahr 1966 in die USA, als er neun Jahre alt war. Er fing bereits in den 1990er Jahren an, Telefonkarten in Kuba zu vertreiben. Später versuchte er ein Untersee-Glasfaserkabel von Florida nach Havanna zu verlegen. Aber das Projekt scheiterte. Coello will in Kuba jetzt mit dem Verkauf von Handys groß herauskommen.

Große Telekomfirmen dürften sich stärker zurückhalten. Zwar unterstützten AT&T und Verizon die Kabelpläne von Coello. Es ist aber nicht klar, ob sie jetzt investieren werden. Zwar ist Kuba potenziell dank seiner niedrigen Internet- und Handymarktdurchdringung hochattraktiv. Aber die Unternehmen werden ihre Investments besonders von auf der Insel geltenden Regulierungen abhängig machen, so Analyst Sergey Dluzhevsky von Gabelli.

US-Hotelfirmen erhoffen sich prächtige Geschäfte in Kuba. Unter anderem will die Hilton Worldwide Holdings bald zurückkehren. Das Unternehmen hatte 1958 das luxuriöse Habana Hilton eröffnet, das kurz darauf verstaatlicht wurde.

Ausländische Konzerne dürfen sich in Kuba wegen geltender nationaler Regeln momentan eigentlich nur in Gemeinschaftsunternehmen betätigen, berichtet Professor Stephan Meier von der Columbia-Universität. Er bringt Jahr für Jahr rund 40 Studenten nach Kuba. Die britische Imperial Tobacco arbeite mit kubanischen Zigarrenfirmen zusammen, die französische Pernod Ricard kooperiere mit dem Hersteller des Havana-Club-Rums und die spanische Hotelkette Meliá Hotels engagiere sich in kubanischen Hotels.

Coca-Cola gibt es momentan in jedem Land des Erdballs - bis auf Kuba und Nordkorea. Der Start einer Rückkehr hänge vom richtigen Zeitpunkt und der Regulierung ab, erklärt das Unternehmen. Erzrivale Pepsi will nach eigenen Angaben auf dem Inselstaat aktiv werden, sobald sich die Geschäftsbeziehungen normalisieren.

Doch nicht jeder ist vom Tauwetter zwischen Washington und Havanna begeistert. "Wir reden hier über ein kommunistisches Land", warnt Carlos Gazitua. Seine Mutter hatte in Miami vor nahezu 40 Jahren ein kubanisches Restaurant eröffnet, nachdem sie aus dem Castro-Staat geflohen war. "Die kubanische Regierung muss Redefreiheit, Menschenrechte und ein positives Umfeld für Unternehmer garantieren. Ohne das, ist es einfach eine Illusion."

Mitarbeit: Julie Jargon, Mike Esterl, Craig Karmin, Jesse Newman, Mike Ramsey, Jacob Bunge, Shelly Banjo und Alistair MacDonald.

Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com

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