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UPDATE2: Übernahmefantasie bei Alstom treibt Aktie auf Höhenflug

24.04.2014, 16:11 Uhr

-- Alstom-Aktie am Nachmittag nach wie vor deutlich im Plus

-- Alstom: Kein Übernahmeangebot bekannt

NEU: Weiterer Hintergrund, GE, Analystenstimmen)

Von Inti Landauro

Spekulationen um eine mögliche Übernahme des Turbinen- und Zugherstellers Alstom durch den US-Industriekonzern General Electric (GE) sorgen an der Börse weiterhin für Aufregung. Auch eine Stellungnahme von Alstom, nicht über ein Übernahmeangebot informiert zu sein, konnte die Übernahmefantasie an den Märkten kaum in die Schranken weisen. Nach anfänglichen Gewinnen von rund 16 Prozent liegt die Alstom-Aktie am Donnerstagnachmittag immer noch knapp 10 Prozent im Plus.

Ein Deal der Siemens-Konkurrenten wäre in der Branche ein Paukenschlag. Ausgelöst wurden die Spekulationen um eine Alstom-Übernahme durch einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach soll GE über den Kauf von Alstom verhandeln. Die Amerikaner dürften mehr als 13 Milliarden US-Dollar für die Übernahme auf den Tisch legen, berichtet die Agentur unter Berufung auf informierte Personen. Damit würde der Konzern aus Fairfield im US-Bundesstaat Connecticut einen Aufpreis von mehr als 25 Prozent für die Franzosen zahlen.

Alstom teilte allerdings relativ zügig mit, dass es Kontakte zu General Electric in der Vergangenheit über nicht näher genannte Themen zwar gegeben habe, man habe aber keinerlei Informationen hinsichtlich irgendwelcher Übernahmepläne. "Ich kann nicht leugnen, dass es Gespräche zwischen Alstom und GE zu anderen Themen gegeben hat", sagte eine Alstom-Sprecherin. Verkaufsspekulationen nannte sie aber "unbegründete Gerüchte". Auch eine gut informierte Person sagte, dass es zwar Gespräche zwischen Alstom und GE über eine mögliche Zusammenarbeit gegeben habe, eine Übernahme sei aber kein Thema gewesen. Ein GE-Sprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Alstom, am besten bekannt für den Hochgeschwindigkeitszug TGV, hatte zuletzt mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen. So haben die Energieversorger, wichtige Kunden von Alstom, ihre Ausgaben gekürzt. Die Wirtschaft legt in Europa nur verhalten zu, und auch auf den Schwellenmärkten verlangsamt sich das Wachstum.

Konzernchef Patrick Kron hat im November letzten Jahres einen Sparplan vorgestellt. Rund 2 Milliarden Dollar sollen durch Stellenstreichungen und andere Maßnahmen eingespart werden. Zudem soll Geld hereinkommen durch den Verkauf von Minderheitsanteilen am Zuggeschäft und anderen Sparten. Ein schwacher Ausblick sorgte dafür, dass die Alstom-Aktie dieses Jahr ein Neun-Jahres-Tief erreichte, auch wenn sie sich unterdessen wieder etwas erholt hat.

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Die Schwierigkeiten belasten auch den größten Einzelaktionär, das familiengeführte Unternehmenskonglomerat Bouygues SA. Die Gruppe musste ihre Beteiligung an Alstom um 1,4 Milliarden Euro wertberichtigen, was ihr 2013 einen Verlust bescherte.

Ein wie auch immer gearteter Alstom-Deal wäre in Frankreich ein Politikum, erst vor zehn Jahren wäre das Unternehmen beinahe in seine Einzelteile zerlegt worden. 2004 hat es Konzernchef Kron geschafft - mit Unterstützung des damaligen Finanzministers Nicolas Sarkozy - die Forderungen der EU-Kartellbehörden abzuschwächen. Diese hatten Alstom aufgefordert, im Gegenzug für die Genehmigung staatlicher Rettungsgelder Kerngeschäfte zu verkaufen. Letztlich wurde das Unternehmen vom französischen Staat gerettet und trennte sich von einer Reihe Sparten. Bouygues übernahm nach und nach den Anteil der Regierung.

Der französische Ministerpräsident Manuel Valls bezeichnete die Berichte über eine mögliche Übernahme von Alstom durch GE am Donnerstag als "Gerüchte" und sagte, er kommentiere keine Gerüchte. Seine Regierung verfolge die Situation aber aufmerksam, insbesondere was Jobs und Technologien angehe.

Alstom ist ebenso wie GE im Geschäft mit Energieerzeugung und Zügen aktiv. Diese beiden Bereiche sind Kerngeschäfte im Industriesegment von General Electric. Während GE hauptsächlich Lokomotiven für den Frachttransport baut, ist Alstom stark bei Pendelzügen und U-Bahnen. Auch der deutsche Konkurrent Siemens ist bei Zügen gut im Geschäft.

GE-Chef Jeff Immelt steht unter großem Druck, die Gewinne der Industriesparte zu steigern. Die Investoren legen auf das Industriegeschäft mehr wert als auf die Finanzsparte, die zwar hochprofitabel ist, aber auch als risikoanfälliger wahrgenommen wird. Immelt hat den Anlegern versprochen, die Abhängigkeit des Konzerns vom Finanzgeschäft zu reduzieren. Statt knapp 50 Prozent soll GE Capital demnächst nur noch 30 Prozent zum Konzerngewinn beitragen.

Eine große Übernahme könnte das Ausbalancieren des Portfolios beschleunigen. Immelt hatte gesagt, er bevorzuge kleinere Akquisitionen im Bereich von 1 bis 4 Milliarden Dollar. Letzte Woche jedoch schloss er auch größere Deals nicht aus mit "exzellenten Werten, starken Synergien, die zu unserer Wachstumsstrategie passen und unmittelbar zum Ertrag beitragen".

Ob ein Deal zwischen Alstom und GE nun plausibel ist, darüber scheiden sich die Geister. Die Analysten der Citigroup und von Exane BNP Paribas sehen Hürden wegen der Größe des Deals oder auch angesichts des zu erwartenden politischen Gegenwinds aus Paris. Ein anderer Punkt ist die industrielle Logik. Gerade im Bahngeschäft und auch bei der Energieerzeugung aber gehen die Marktbeobachter davon aus, dass beide gut zueinander passen und sich ergänzen würden.

Trotz kurzfristiger Schwierigkeiten verfügt Alstom über ein gutes Portfolio, darunter auch über die beste Technologie für Hochgeschwindigkeitszüge im Markt", meint William Mackie von Berenberg. "Das passt gut zu General Electric und ist vernünftig bewertet."

Mitarbeit: Markus Klausen, Christine Benders-Rüger, Noemie Bisserbe und Ruth Bender

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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