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MÄRKTE EUROPA/Freudensprung bei Aktien dank Ukraine-Hoffnung

03.09.2014, 18:15 Uhr

Von MICHAEL DENZIN

Mit kräftigen Kursgewinnen haben sich Europas Börsen am Mittwoch aus dem Handel verabschiedet. Hauptsächlich waren es Berichte über eine Feuerpause in der Ostukraine, die für Erleichterung sorgten. Der DAX schaffte bei hohen Umsätzen den Sprung über die 9.600er-Marke. Die Präsidenten der Ukraine und Russlands haben sich nach Angaben Kiews auf einen Waffenstillstand geeinigt. Auch das zwischenzeitliche Dementi eines Kreml-Sprechers bremste nicht. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 1,2 Prozent auf 3.219 Zähler, der DAX legte 1,3 Prozent zu auf 9.626 Punkte und damit den höchsten Stand seit Ende Juli.

Marktteilnehmer warten nun mit Spannung auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. "Vor der Sitzung steigt die Nervosität der Anleger spürbar", sagte Jens Klatt von DailyFX. Zudem setzt sich immer mehr die Meinung durch, dass die Erwartungen an ein Anleihekaufprogramm (QE) durch die EZB übertrieben sind. "Die Mehrzahl der Analysten geht nur von verbalen Interventionen aus", sagte ein Anleihe-Händler. Daher seien Bundesanleihen seit dem Vortag deutlich auf dem Rückzug, die Zinsen stiegen wieder.

Auch der Euro reagierte entsprechend und erholte sich auf 1,3140 Dollar. "Mit Notierungen unter 1,3120 Dollar und einem neuen Jahrestief war nun wirklich jede Fantasie nach unten eingepreist", hieß es dazu im Devisenhandel. Sollte Draghi nicht das erwünschte Programm quantitativer Erleichterungen auflegen, sei eine kräftige Euro-Erholung bis fast 1,33 Dollar möglich.

Die Aktienmärkte zeigten sich in Feierlaune. Fast alle Branchen in Europa schlossen deutlich im Plus. Auch der drastische Ölpreisrückgang half: Rohöl war am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr gefallen, was die Fluggesellschaften entlastet. Lufthansa stiegen um 2,4 Prozent, International Consolidated Airlines um 1,5 Prozent.

Der Index der Autowerte sprang mit 1,8 Prozent Plus an die Spitze der Branchengewinner. "Bei den Russland-Aktivitäten liegen die Autohersteller im oberen Drittel der DAX-Unternehmen", sagte Metzler-Analyst Jürgen Pieper. BMW stiegen 2,3 Prozent und Daimler 1,8 Prozent.

Zudem wird die Branche als Wette auf eine deutliche US-Konjunkturerholung gesehen: Der wichtige ISM-Index war dort am Vortag auf ein 10-Jahres-Hoch gesprungen. Unterlegt wurde das von ersten US-Auto-Absatzzahlen. So verkaufte Chrysler im August 20 Prozent mehr Fahrzeuge; erwartet wurden nur 12 Prozent. mehr Für Peugeot und Renault ging es bis zu 2,8 Prozent nach oben. Die Aktien von Chryslers Muttergesellschaft Fiat stiegen um 2,7 Prozent.

Nokian Tyres (Nokian Renkaat) waren mit 7,5 Prozent Aufschlag im Autosektor Hauptgewinner der Hoffnung auf eine Entspannung im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Der finnische Reifenhersteller macht rund ein Drittel seines Umsatzes in Russland.

Banken waren ebenfalls gesucht. Sie profitieren besonders stark von möglichen Wertpapierkäufen der Europäischen Zentralbank, wie ein Händler sagte. Der Branchen-Index stieg um 1,4 Prozent. Einzeltitel wie UniCredit, Intesa Sanpaolo, BNP Paribas und Société Générale legten bis zu knapp 3 Prozent zu. Zudem hatte Bernstein gleich vier Titel mit "New Outperform" eingestuft, was die gesamte Branche trieb. Deutsche Bank gewannen 2,3 Prozent.

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SAP waren einziger Verlierer im Dax; sie fielen um 0,9 Prozent nach der Abstufung durch die BNP Paribas auf "Underperform". Rheinmetall stiegen um 4,3 Prozent. Sie profitierten von Berichten, Wirtschaftsminister Gabriel favorisiere eine Fusion mit Krauss-Maffei Wegmann. Bislang will sich der Leopard-Panzer-Hersteller mit der französischen Nexter zusammentun.

Metro legten wegen der starken Russland-Abhängigkeit des Konzerns um 2,4 Prozent zu. Zudem verkauft das Unternehmen den Anteil am britischen Unternehmen Booker für rund 200 Millionen Pfund. Der Kurs von Hugo Boss fiel um 5,7 Prozent, nachdem Großaktionär Permira ein Aktienpaket auf den Markt geworfen hatte.

Im TecDax stiegen United Internet um 2,3 Prozent. Die vollständige Übernahme von Versatel wurde von Analysten gelobt: Mit dem Schritt erhalte United Internet Zugang zum zweitgrößten Glasfasernetz in Deutschland, sagte Close Brothers.

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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.218,84 +38,55 +1,2% +3,5%
Stoxx-50 3.075,50 +23,10 +0,8% +5,3%
Stoxx-600 344,97 +2,22 +0,6% +5,1%
XETRA-DAX 9.626,49 +119,47 +1,3% +0,8%
FTSE-100 London 6.873,58 +44,41 +0,7% +1,8%
CAC-40 Paris 4.421,87 +43,54 +1,0% +2,9%
AEX Amsterdam 417,21 +2,21 +0,5% +3,8%
ATHEX-20 Athen 375,85 +5,27 +1,4% -2,3%
BEL-20 Bruessel 3.186,76 +8,88 +0,3% +9,0%
BUX Budapest 18.415,30 +445,62 +2,5% -0,8%
OMXH-25 Helsinki 2.976,71 +24,64 +0,8% +5,0%
ISE NAT. 30 Istanbul 99.976,08 +939,44 +0,9% +21,3%
OMXC-20 Kopenhagen 743,03 +4,82 +0,7% +20,7%
PSI 20 Lissabon 5.887,00 +61,25 +1,0% -9,3%
IBEX-35 Madrid 10.886,80 +131,80 +1,2% +9,8%
FTSE-MIB Mailand 20.831,96 +385,68 +1,9% +9,8%
RTS Moskau 1.239,23 +61,30 +5,2% -14,1%
OBX Oslo 565,05 +2,62 +0,5% +12,2%
PX Prag 991,06 +2,10 +0,2% +0,2%
OMXS-30 Stockholm 1.398,48 +10,55 +0,8% +4,9%
WIG-20 Warschau 2.513,96 +50,86 +2,1% +4,7%
ATX Wien 2.324,96 +31,67 +1,4% -8,7%
SMI Zuerich 8.803,57 +46,25 +0,5% +7,3%

DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8.12 Uhr Di, 17.44 Uhr
EUR/USD 1,3134 -0,02% 1,3137 1,3129
EUR/JPY 137,79 -0,04% 137,85 137,95
EUR/CHF 1,2069 -0,02% 1,2071 1,2071
USD/JPY 104,91 0,02% 104,90 105,09
GBP/USD 1,6447 -0,16% 1,6474 1,6505

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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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September 03, 2014 12:15 ET (16:15 GMT)

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