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Freitag, 24. Oktober 2014

Börse

RHÖN-KLINIKUM

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Rhön-Klinikum kommt mit Aktienrückkauf langsam voran

23.10.2014, 19:22 Uhr

Von Heide Oberhauser-Aslan

Die stark geschrumpfte fränkische Krankenhauskette Rhön-Klinikum kommt mit ihrem groß angelegten Aktienrückkaufprogramm langsam voran. In der ersten Woche nach dem Start seien 6,35 Prozent der Aktien angedient worden, teilte das Unternehmen mit. Das Erwerbsangebot sei für insgesamt 8,77 Millionen Rhön-Aktien angenommen worden. Bei einem Angebotspreis von 25,18 Euro entspricht das 220 Millionen Euro. Insgesamt will Rhön 65,8 Millionen eigene Aktien erwerben.

Die Andienungsfrist läuft noch bis einschließlich 14. November. Rhön hatte zu Beginn der Offerte angekündigt, wöchentlich eine freiwillige Mitteilung zum Stand der Annahme des Erwerbsangebots zu veröffentlichen.

Mit dem Rückkauf von bis zu 47,6 Prozent der eigenen Papiere will der Klinikkonzern der verringerten Unternehmensgröße Rechnung tragen und gleichzeitig die Aktionäre am Gewinn aus dem Verkauf des Großteils seiner Kliniken an Fresenius beteiligen. Rhön-Klinikum hofft dabei auch auf eine Neuordnung im Aktionärskreis.

Die Großaktionäre, der Medizintechnikkonzern B.Braun (ca 18 Prozent) und die private Klinikkette Asklepios (mehr als fünf Prozent), die mit ihrem Einstieg bei Rhön 2012 die Komplettübernahme des Unternehmens durch Fresenius in letzter Minute vereitelt hatten, verfolgen andere Interessen als der eigenwillige Unternehmensgründer Eugen Münch. Ein solcher Interessenkonflikt kann auf Dauer nicht gut für ein Unternehmen sein. Um eine klare strategische Positionierung zu gewährleisten, müsse das Aussortieren unter den Großaktionären jetzt beginnen, hatte Finanzvorstand Jens-Peter Neumann bei Start des Aktienrückkaufs gefordert.

Firmengründer Eugen Münch scheint offenbar zum Rückzug bereit zu sein. Als Signal in diese Richtung werten jedenfalls Brancheninsider den mittlerweile erfolgten Verkauf eines Teils seiner Aktien. Er, seine Ehefrau und seine Stiftung haben bereits sämtliche ihnen zustehende Andienungsrechte wahrgenommen und damit für mehr als 200 Millionen Euro etwa die Hälfte ihrer Aktien angedient. Münch hat damit zumindest angezeigt, dass er nicht plant, sich über seinen derzeitigen Anteil von 12,5 Prozent bei Rhön zu engagieren.

Denn hätte er nicht angedient, wäre sein Anteil bei Ausnutzung des Rückkaufangebots aller Teilnehmer in voller Höhe auf knapp 25 Prozent gestiegen. Was er am Ende wirklich vorhat - völliger Rückzug oder letztlich doch noch bei Rhön mitbestimmen - ist bei dem schwer berechenbaren Manager bislang nicht klar. Wie hoch sein Anteil bei Rhön am Ende noch sein wird, hängt auch vom Verhalten der übrigen Aktionäre ab. Sollte die Andienung in der von Rhön geplanten Größenordnung klappen, bliebe Münchs Anteil am Unternehmen unverändert.

Sollten die anderen Großaktionäre aber nicht andienen oder überhaupt die Einziehung von knapp 50 Prozent des Grundkapitals nicht erreicht werden, würde sich sein Anteil am Unternehmen verringern. Derzeit hält Münch mit seinen mehr als 10 Prozent noch eine Sperrminorität bei Rhön, da der Hauptversammlungsbeschluss zur Anhebung der Sperrminorität auf 25 Prozent wegen anhängigen Klagen, unter anderem von Asklepios, noch nicht ins Handelsregister eingetragen wurde.

Noch unklar ist bislang auch, was Asklepios und B.Braun machen werden. Brancheninsider gehen derzeit davon aus, dass die beiden Großaktionäre gar nicht oder zumindest nicht vollständig andienen werden, sondern versuchen werden, ihre Position bei Rhön auf diesem Wege auszubauen. Allerdings wird nicht damit gerechnet, dass B.Braun mit seinem Anteil von aktuell etwa 18 Prozent die Schwelle von 30 Prozent reißen wird, weil dann ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig würde. Erwartet wird vielmehr, dass B.Braun versuchen wird, auf 25 Prozent zu kommen um sich auf Dauer bei Rhön eine Sperrminorität zu sichern. Asklepios könnte ohne Andienung auf gut 10 Prozent kommen.

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Für den Rückkauf hat das Unternehmen 1,7 Milliarden Euro in der Kasse. Er wird mit Hilfe handelbarer Andienungsrechte durchgeführt, um eine kursschonende Auskehrung des Großteils des Transaktionserlöses zu gewährleisten. Den Aktionären bietet das Rückkaufmodell die Möglichkeit, ihr Rhön-Investment flexibel anzupassen.

Das Angebot sieht vor, dass Aktionäre für je 21 Aktien zehn zum Preis von 25,18 Euro an den Konzern zurückverkaufen können. Wenn ein Aktionär seine Position bei Rhön aufbauen möchte, kann er seine nicht benötigen Andienungsrechte verkaufen, will er seine Position bei Rhön abbauen, kann er zusätzliche Andienungsrechte von abgabewilligen Aktionären auch zukaufen.

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@wsj.com

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