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Sonntag, 01. Februar 2015

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MÄRKTE EUROPA/EZB treibt Aktien und Anleihen - Euro der Verlierer

23.01.2015, 16:27 Uhr

Von Thomas Leppert

Das angekündigte Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt auch am Freitag für Kauflaune auf breiter Front. Aktien und Anleihen steigen in ganz Europa. Damit wird die angekündigte Liquiditätsflut quasi vorweggenommen, die demnächst angelegt werden will. 1.140 Milliarden Euro hat die EZB im Rahmen ihres Quantative Easing (QE) in Aussicht gestellt. Laut Berechnungen von MarkitEconomics druckt die EZB demnächst damit 1,4 Millionen Euro pro Minute bzw. 3.413 Euro je Einwohner der Eurozone. "Die Hausse nährt die Hausse", stellt die Bank HSBC Trinkaus fest.

Am Freitagnachmittag steigt der DAX um 1,9 Prozent auf 10.630 Punkte und hat in seinem Aufwärtsdrang auch wieder ein Rekordhoch markiert. Es liegt bei 10.704 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 legt um 1,5 Prozent zu auf 3.372 Punkte. Das ist der höchste Stand seit September 2008. Auch an der Züricher Börse ziehen die Kurse wieder an, nachdem der stark aufwertende Franken hier zuletzt die Stimmung stark eingetrübt hatte.

Ein Kursfeuerwerk erlebt die Börse in Athen. Der Index FTSE/Athex schießt um über 5 Prozent nach oben und wird auch nicht gebremst von den mit Spannung erwarteten Parlamentswahlen in Griechenland am Sonntag. Deren Ausgang ist offen, wobei das auf einen Schuldenerlass drängende oppositionelle Linksbündnis Syriza in Umfragen vorne gesehen wird. "Die Wahlen haben ihren Schrecken nach der Bekanntgabe des QE-Programms verloren", sagt ein Händler.

Bundesanleihen, deren Hausse vor der EZB-Entscheidung zuletzt etwas gestockt hatte, legen wieder kräftig zu. Zehnjährige Bundesanleihen sind auf den höchsten Stand aller Zeiten gestiegen, sie werfen nunmehr eine Rendite von 0,38 Prozent ab, 3 Basispunkte weniger als am Vortag. Die Bondkäufe der EZB in den kommenden Monaten treiben die Notierungen auf breiter Front immer weiter in die Höhe. Bis zu fünf Jahren Laufzeit rentieren Bundesanleihen negativ, die Renditen sechsjähriger Papiere drohen ebenfalls in negatives Terrain zu rutschen.

Die Renditen italienischer und spanischer Zehnjahresanleihen sinken um 5 bzw. 6 Basispunkte auf 1,58 bzw. 1,36 Prozent. Im freien Fall befinden sich die Renditen der griechischen Staatsanleihen. Sie stürzen um knapp 80 Basispunkte auf 8,46 Prozent, obwohl die EZB noch einige Hürden für Käufe griechischer Staatsanleihen eingebaut hat. Die Anleger nehmen offenbar vorweg, dass Griechenland die Auflagen der EZB in den kommenden Monaten erfüllen wird und dann auch von dem QE-Programm profitieren wird.

Der Euro ist derweil klar der Verlierer und befindet sich ungebremst auf Talfahrt. Im Tagestief ist er auf unter 1,12 Dollar abgerutscht, den niedrigsten Stand seit September 2003. Allerdings wird der schwache Euro an der Börse sehr positiv gesehen, da sich damit die Position der europäischen Unternehmen im globalen Wettbewerb verbessert. "Der schwache Euro ist das beste Konjunkturprogramm, das wir momentan haben", so ein Händler.

Der Tod des saudi-arabischen Königs Abdullah treibt derweil den Ölpreis wieder etwas nach oben. Der Tod des 90-jährigen Monarchen verunsichert die Märkte und befeuert Spekulationen um die künftige Ölförderstrategie des Großproduzenten. Saudi-Arabien hatte zuletzt kategorisch abgelehnt, mit Fördersenkungen auf den Preisverfall beim Öl zu reagieren. Stattdessen senkte es die Preise. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent liegt aktuell bei 49,11 Dollar.

Am europäischen Aktienmarkt gehört der Automobilsektor zu den Favoriten. Er steigt um 2,6 Prozent. Der Sektor gilt als sehr konjunkturabhängig und somit als Profiteur der Wertpapierkäufe durch die EZB, die auch über einen schwächeren Euro Wirkung entfalten. Noch stärker legt der Nahrungsmittelsektor zu mit 3,0 Prozent. An der Börse wird darauf gesetzt, dass die Europäer nun mehr Geld für den Konsum ausgeben. Aus diesem Grund steigt auch der Sektor der nichtzyklischen Konsumwerte um 2,5 Prozent überproportional an.

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Der Telekomsektor profitiert davon, dass hier hohe Dividenderenditen winken, während am Anleihemarkt die Renditen vielfach schon negativ sind. Hinzu kommt Konsolidierungsfantasie in der Branche. In Madrid steigen Telefonica um 3,1 Prozent. Sie profitieren davon, dass die in Hongkong ansässige Hutchison Whampoa deren britische Tochter O2 für 10 Milliarden Pfund übernehmen will.

Der Rohstoffstektor notiert als einziger im Minus und verliert gleich 1,3 Prozent. Die Analysten von J.P. Morgan sind pessimistischer für den Sektor und haben die Kursziele gesenkt. Für die Analysten besteht kaum Aussicht auf eine Erholung der Preise im ersten Halbjahr 2015.

Adidas verteuern sich im DAX um 3,8 Prozent, angetrieben von vorläufigen Ergebnissen für das vergangene Geschäftsjahr. Der Umsatz von rund 14,8 Milliarden Euro liege über den Schätzungen der meisten Analysten, heißt es im Handel. Aktien der Deutschen Post verlieren 1,0 Prozent, J.P. Morgan hat die Aktie auf "Neutral" abgestuft. Zudem hat der Wettbewerber UPS in den USA ein enttäuschendes Ergebnis abgeliefert.

Ein gutes Börsendebüt erlebt der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus. Zu 10 Euro in der Mitte der Angebotsspanne ausgegeben, legt der Kurs am ersten Börsentag um über 11 Prozent auf bei 11,15 Euro zu.

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INDEX Stand +-%
Euro-Stoxx-50 3.371,84 +1,48%
Stoxx-50 3.239,61 +1,65%
DAX 10.630,40 +1,87%
FTSE 6.814,99 +0,27%
CAC 4.625,06 +1,59%
EUREX Stand +-Ticks
Bund-Future 158,77 +115


DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8.29 Uhr Do, 17.49 Uhr
EUR/USD 1,1264 -0,69% 1,1343 1,1421
EUR/JPY 132,58 -1,22% 134,22 134,67
EUR/CHF 0,9868 -0,21% 0,9888 0,9931
USD/JPY 117,71 -0,50% 118,31 117,87
GBP/USD 1,5010 0,06% 1,5000 1,5047

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Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com

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January 23, 2015 10:27 ET (15:27 GMT)

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