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UPDATE: Unternehmen umschiffen drohende Strafzinsen

21.11.2014, 17:43 Uhr

-- Unternehmen schichten Anlagen um oder wechseln die Bank, um Strafzinsen zu vermeiden

-- Mittelständler haben weniger Möglichkeiten

NEU: Durchgehend neu strukturiert, neue Aussagen von Esta-Geschäftsführer Peter Kulitz)

Von Natali Schwab

Die Entscheidung mehrerer Banken, von Großkunden Strafzinsen für höhere Guthaben zu verlangen, sorgt für Unruhe in der deutschen Unternehmenswelt. Verbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisieren das Vorhaben scharf. Erste Unternehmen ziehen bereits Konsequenzen: Sie wechseln die Bank oder schichten auf andere Anlagen um.

Der Energieversorger E.On hat bereits mehrere konkrete Maßnahmen getroffen, um Strafzinsen auf seine Guthaben bei Banken zu umgehen. "Wir haben Alternativen gefunden, indem wir die Bank gewechselt haben, auf andere Laufzeiten umgestiegen sind oder alternative Geldanlagen gefunden haben", sagte ein E.On-Sprecher dem Wall Street Journal Deutschland.

Als erste große deutsche Bank hatte die Commerzbank am Mittwochabend bestätigt, dass sie ab Dezember von Geschäftskunden Gebühren für hohe Guthaben verlangen werde. Zuvor hatten in Deutschland bereits kleinere Institute wie die Skatbank oder die DZ Privatbank in Luxemburg derartige Strafzinsen angekündigt. International wollen Großbanken Bank of New York Mellon, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase und Credit Suisse ihre Kunden mit Gebühren für hohe Einlagen belasten.

Die Institute reagieren damit auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die ihre Zinssätze für Bankeinlagen bereits im Sommer in den negativen Bereich gesenkt hatte. Finanzinstitute müssen also dafür bezahlen, wenn sie ihre überschüssigen Reserven über Nacht bei der EZB lagern, statt sie anderen Banken zu leihen. Es ist das erste Mal, dass eine große Zentralbank einen solchen Schritt wagt. Mit dieser Maßnahme will die EZB die seit Jahren laue Kreditvergabe im privaten Sektor ankurbeln.

Die Banken wollen die höheren Kosten ihrerseits von den Kunden zurückholen. Allerdings verteilen große Konzerne ihre Geldgeschäfte üblicherweise auf mehrere Finanzinstitute. Das gibt Unternehmen wie dem Konsumgüterhersteller Henkel die Möglichkeit, drohende Strafzinsen bei einer Bank zu umschiffen: "Wir arbeiten weltweit mit einer Vielzahl von Banken zusammen und haben so die Möglichkeit, flexibel auf diese Entwicklung zu reagieren", erklärte ein Sprecher der Düsseldorfer. Sprich: Wenn eine Bank mit Strafzinsen droht, legt man sein Geld eben woanders an.

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Ähnlich verhält es sich beim weltgrößten Chemiehersteller BASF: Man erhalte in letzter Zeit vermehrt von einzelnen Banken "negative Zinsquotierungen für Einlagen", so ein Sprecher der Ludwigshafener. "Wir sind aber aufgrund der effizienten globalen Mitteldisposition und ausreichender Alternativen derzeit nicht gezwungen, solche Quotierungen zu akzeptieren." Übersetzt: Wenn eine Bank mit Strafzinsen droht, geht BASF zur Konkurrenz.

Besonders betroffen ist die Versicherungswirtschaft. Aufgrund der regelmäßig einlaufenden Prämien auf die Versicherungsverträge haben sie stets einen hohen Liquiditätsbestand, der nach Anlagemöglichkeiten sucht. Gleichzeitig sind sie aber besonders gut im Bankensektor verdrahtet und können ihre Liquidität schnell umschichten, wenn Strafzinsen drohen. "Wir sichern unsere Liquidität über ein gruppenweites Cash-Pooling und investieren in sehr liquide Anlageformen. Deshalb sind wir derzeit von solchen Strafzinsen nicht betroffen", heißt es von einem Sprecher der Münchener Allianz.

Nicht alle wechseln gleich die Bank. Andere Unternehmen schichten ihre Anlagen um und vermeiden so hohe Bankguthaben. Die Optikerkette Fielmann etwa setzt auch auf den Kapitalmarkt. "Die Differenzierung von Geldanlagen bei unterschiedlichen Marktteilnehmern ist seit vielen Jahren Basis unserer Anlagepolitik", sagte Fielmann-Finanzvorstand Georg Alexander Zeiss. "Der Schwerpunkt geht dabei in Richtung kurzfristiger Unternehmensanleihen."

Die Möglichkeiten der Großkonzerne stehen vor allem den vielen familiengeführten Unternehmen des Mittelstands nicht im vollen Umfang zur Verfügung. Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, kritisiert die Auswirkungen der Geldpolitik der EZB auf die Wirtschaft daher vehement: "Dies ist eine ungute Entwicklung, gerade für die großen Familienunternehmen. Jetzt zeigt sich der Preis des billigen Geldes. Unternehmen, Banken und EZB stecken in einer Zwickmühle."

Hilflos ausgeliefert sind aber auch Familienunternehmer der Gebührenpolitik der Banken nicht. "Ich werde einen Teufel tun, das Geld dort zu deponieren, wo ich Strafzinsen zahlen muss", sagt Peter Kulitz. Seine Firma Esta aus Senden im Allgäu entwickelt und verkauft Absauganlagen für die Industrie, die zum Beispiel in der Lackiererei oder in Chemiewerken zum Einsatz kommen. Sollte seine Bank die Gebühren einführen, werde er einfach das Institut wechseln, sagt Kulitz. Auch für die deutschen Mittelständler mit ihrem hohen Auslandsgeschäft sei es kein Problem, einen Teil der Barmittel in die Schweiz oder die USA zu transferieren.

Mitarbeit: Christian Grimm, Jenny Busche, Isabel Gomez, Eyk Henning, Heide Oberhauser-Aslan, Ulrike Dauer und Markus Klausen.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@wsj.com

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